Wirtschaft : Gazprom und RWE kriegen kalte Füße

Zusammenarbeit bei Kraftwerken geplatzt.

Essen - Gazprom und Deutschlands größter Stromproduzent RWE ließen am Donnerstag in Moskau Pläne zum gemeinsamen Bau und Betrieb von Kraftwerken platzen. „Wir haben sehr konstruktive Gespräche geführt. Bedauerlicherweise konnten wir uns dennoch nicht auf einen für beide Seiten tragfähigen Rahmen für eine Zusammenarbeit einigen“, erklärte RWE-Chef Jürgen Großmann.

Gazprom und RWE wollten Kraftwerke in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden bauen. Die Russen hätten für Gaskraftwerke den Brennstoff zu günstigen Konditionen liefern können. RWE hatte sich auch Erleichterungen bei den bestehenden Gas-Lieferverträgen erhofft. Der Konzern schreibt im Gasgeschäft hohe Verluste, weil die Preise im langfristigen Kontrakt mit Gazprom höher liegen als am sogenannten Spotmarkt.

RWE hatte im Juli exklusiv Gespräche mit den Russen begonnen. Da die Verhandlungen nicht wie geplant im Herbst zum Erfolg führten, gingen beide Seiten in die Verlängerung. Die Kooperation war von RWE-Seite als großer Baustein im Konzept gedacht, sich für die Zukunft stabiler aufzustellen. Dieser Baustein bricht nun weg. An der Mittelfristplanung und auch den Investitionen ändere sich aber nichts, sagte eine RWE-Sprecherin. Dazu passt es, dass RWE eine Kapitalerhöhung über 2,1 Milliarden Euro abschließen konnte.

Gazprom muss sich nun neu orientieren und tut dies bereits. Die Verhandlungen haben sich bereits nach Bayern verlagert. Gazprom-Chef Alexej Miller traf sich diesen Mittwoch mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP): „Gazprom ist bereit, nicht nur als Gaslieferant, sondern auch als Investor aufzutreten“, sagte Miller. Er will bis Ende 2012 entscheiden, ob und wie Gazprom in Bayern investiert. Miller, Seehofer und Zeil unterzeichneten eine Absichtserklärung für die weiteren Gespräche. Im Frühjahr soll es ein Treffen mit Unternehmen und Kommunen geben, bei dem die Optionen besprochen werden.

Bayern benötigt im Zuge des Atomausstiegs dringend Investoren für mehrere neue Gaskraftwerke. Es könnte damit zu Kooperationen zwischen Gazprom und süddeutschen Stadtwerken kommen. Damit die teuren Gaskraftwerke realisiert werden können, stellte Miller günstige Sonderkonditionen in Aussicht. dpa

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