GDL-Streik : Lokführer legen Privatbahnen lahm

Die Gewerkschaft GDL verlangt Einheitslöhne für die Branche und Jobgarantien – doch die Firmen wollen sich nicht erpressen lassen. Die Züge der Deutschen Bahn waren dieses Mal nicht betroffen.

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Stillstand. Auch die Hessische Landesbahn wurde bestreikt, in Frankfurt am Main kam es zu erheblichen Beeinträchtigungen.
Stillstand. Auch die Hessische Landesbahn wurde bestreikt, in Frankfurt am Main kam es zu erheblichen Beeinträchtigungen.Foto: dapd

Berlin - Die Lokführergewerkschaft GDL hat am Montag erneut den Zugverkehr in ganz Deutschland massiv behindert, vor allem im Norden und Osten. Bei den sechs größten privaten Bahnbetreibern hätten drei von vier Zügen stillgestanden, bilanzierte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky. Er drohte den Unternehmen mit weiteren Maßnahmen. „Unsere Mitglieder haben wieder Flagge gezeigt und sie können das auch noch länger tun.“ Bei der Deutschen Bahn ist vorerst nicht mit Streiks zu rechnen, weil der Konzern und die GDL wieder verhandeln.

„Wir sind mit der Streikbeteiligung sehr zufrieden“, sagte Weselsky. Der Arbeitskampf hatte am frühen Morgen begonnen und sollte 24 Stunden dauern. 150 Lokführer hätten an der Aktion teilgenommen. Betroffen waren auch Berlin und Brandenburg, etwa die Strecken der Ostdeutschen Eisenbahn von Berlin nach Frankfurt (Oder). Dort setzte das Unternehmen ersatzweise Busse ein. Auch die übrigen Betreiber – Veolia, Benex, Keolis, Abellio, HLB – meldeten Ausfälle, allerdings waren nach ihren Angaben mitunter nur vier oder fünf von zehn Zügen betroffen. Einige Unternehmen verkehrten dagegen normal nach Fahrplan, dort war offenbar kaum ein Lokführer in der GDL. Weselsky zufolge sind sieben von zehn Lokführern in der Gewerkschaft organisiert. Die Privatbahnen decken 15 bis 20 Prozent des Personennahverkehrs ab. Ein Streik bei den Privaten hat aber weniger weitreichende Folgen als beim Staatskonzern Bahn – sie fahren keinen vertakteten Fahrplan, bei dem Verspätungen eines Zuges Auswirkungen auf einen anderen haben.

Die GDL fordert gleiche Lohn- und Arbeitsbedingungen für alle 26 000 Lokführer in Deutschland im Nah-, Fern- und Güterverkehr sowie eine bessere Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Dafür hat sie in den vergangenen Wochen bereits viermal die Arbeit niedergelegt.

Bis Anfang März hatte sie mit einem Verhandlungsverbund der sechs Unternehmen über einen Branchen-Tarifvertrag verhandelt. Die Gespräche waren aber gescheitert, weil die Privaten nicht bereit waren, auf dem gleichen Niveau wie die Deutsche Bahn sowie einen Aufschlag von fünf Prozent zu zahlen. Nun wollen sie nur noch auf der Ebene der 26 Einzelbetriebe verhandeln und sind zu einem Branchentarifvertrag nicht mehr bereit. „Wir lassen uns nicht erpressen“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens Benex. Die Gewerkschaft solle an den Verhandlungstisch zurückkehren und auf die Angebote der Arbeitgeber reagieren. „Wir warten, dass sich auf dieser Ebene etwas bewegt“, sagte eine Veolia-Sprecherin. Zu unternehmensübergreifenden Verhandlungen wolle man nicht zurückkehren.

Die Gewerkschaft warf den Privatbahnen derweil erneut vor, „keine verhandelbaren Angebote“ für einen bundesweit geltenden Flächentarifvertrag und „keine substanziellen Angebote für Einkommenserhöhungen in den Haus-Tarifverträgen“ vorgelegt zu haben. „Wer hier glaubt, das Thema aussitzen zu können, hat nicht mit der Entschlossenheit der Lokomotivführer gerechnet“, warnte Weselsky. Seinen Angaben zufolge verdient ein Lokführer bei der Odeg derzeit bis zu 30 Prozent weniger als bei der Bahn. Die Odeg hält diesen Unterschied für übertrieben und sieht ihn bei höchstens 15 Prozent.

Mit der Deutschen Bahn verhandelt die GDL zugleich über Lohnsteigerungen sowie einen Branchen-Tarifvertrag. Er soll vermutlich als Maßstab für die anderen Unternehmen der Branche gelten und könnte später auf sie übertragen werden. Weselsky sagte, er rechne damit, dass die Verhandlungen innerhalb der kommenden zwei Wochen abgeschlossen werden könnten. Für den 7. und 8. April sind weitere Gespräche anberaumt. Bereits unterschrieben ist ein Kontrakt mit drei privaten Güterbahnen.

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