GE-Chef Jeff Immelt : "Kein Land ist glücklich mit seiner Energiepolitik"

Der Chef von General Electric erklärt seine Sicht auf die Energiemärkte, warum Menschen nirgendwo mit der Energiepolitik glücklich ist und warum aus GE ein Analyseunternehmen wird.

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Jeff Immelt arbeitet seit mehr als 30 Jahren für General Electric, seit 2001 leitet er den Konzern. Gerade hat GE den Bieterkampf mit Siemens um Alstom gewonnen.
Jeff Immelt arbeitet seit mehr als 30 Jahren für General Electric, seit 2001 leitet er den Konzern. Gerade hat GE den Bieterkampf...Foto: BDEW/Gerhard Kassner

Was ist eigentlich das Schwierigste daran, einen globalen Konzern mit mehr als 300.000 Mitarbeitern weltweit zu führen? „Vorzugeben, dass man sich für Fußball interessiert“, verrät Jeff Immelt, Chef von General Electric. In Wahrheit ist der US-Manager natürlich Fan des American Football.

Das ist aber schon der einzige kurze thematische Ausflug, den Immelt an diesem Mittwoch bei seinem Vortrag vor Vertretern der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft im Berliner Hotel Intercontinental auf dem BDEW Kongress unternimmt. Sonst bleibt er beim Thema Energiemärkte im 21. Jahrhundert und was Deutschland und die USA voneinander lernen können. Siegen zum Beispiel. Doch zur Enttäuschung vieler Zuhörer verliert Immelt kein Wort über den Konkurrenten Siemens und den Sieg seines Unternehmens im Bieterstreit um Alstom. Trotzdem findet Immelts Vortrag natürlich Gehör, schließlich ist das Unternehmen seit mehr als 100 Jahren auf dem Energiemarkt tätig.

Enge Verknüpfung mit der Politik

Der Energiemarkt sei weiterhin ein Wachstumsmarkt, sagt Immelt. Schließlich lebe immer noch ein Drittel der Menschheit ohne Elektrizität. Vier Punkte seien charakteristisch für den Markt. Erstens: dass Energiemarkt und Politik eng verknüpft seien. Umweltschutz, Energiekosten, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit müssten mit den Unternehmenszielen in die richtige Balance gebracht werden. Durch Innovation sei das möglich, behauptet Immelt.

Dramatischer Wandel

Zweitens befinde sich der Energiemarkt in einem enormen Wandel. Unter anderem sei die immer wichtiger werdende Rolle Chinas als Konsument und Produzent nicht vorhersehbar gewesen. Ebenso wenig die Auswirkungen neu entdeckter Gasvorkommen – unter anderem auf den Strompreis. „Das wird alles verändern“, sagt Immelt. Auch bei Erneuerbaren Energien sei der Preis dramatisch gesunken – dank der Anstrengungen in Deutschland und der EU.

Ehrgeizige Standards statt Subventionen

Drittens seien Unternehmen nirgendwo auf der Welt zufrieden mit der Energiepolitik ihres Landes. „Kein Land ist glücklich“, sagt er und erntet dafür Applaus. Die Politik müsse mehr auf die Zukunft und Innovationen ausgerichtet sein, statt Subventionen schlägt er die Vorgabe von Standards vor, ambitionierten Standards, die Unternehmen dann mit verschiedenen Technologien erreichen könnten. Auch ein einheitlicher europäischer Energiemarkt wäre ein Fortschritt, davon träume er aber nur, gibt Immelt zu.

Netzes müssen smarter werden

Viertens seien massive Investitionen in Forschung und Entwicklung nötig – vor allem in die Netze, wo in den vergangenen Jahren zu wenig investiert worden sei. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten sei es nötig die Speicherkapazitäten auszubauen. 15 Minuten Sicherheitsspeicher seien nötig, um die Systeme reibungslos betreiben zu können. „Die Netze müssen smarter und robuster werden“, sagt Immelt. Sein Unternehmen sammele immer mehr Daten. Aus GE werde ein Analyseunternehmen. Da ist Immelt wieder nah bei Siemens-Chef Joe Kaeser. Beide erwarten, dass Google bald zu ihren Konkurrenten gehören wird.

 

 

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