Wirtschaft : GE-Honeywell-Fusion: Kaum Chancen für geplante Firmenehe

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Aus der geplanten Firmenehe zwischen General Electric Co (GE) und Honeywell International Inc scheint nichts zu werden. GEs Vorstandschef Jack Welch lehnte bereits am Freitag Honeywells jüngsten Vorschlag ab, den vereinbarten Übernahmepreis um zwei Milliarden Dollar zu senken. Damit sollte GE für Gewinnverluste im Zusammenhang mit den von der Europäischen Gemeinschaft (EU) auferlegten Entflechtungen entschädigt werden. Die EU-Kommission, so Welsh in einem Schreiben an seinen Honeywell-Kollegen Michael Bonsignore, habe das Kernstück, auf dem die strategische Rechfertigung des gemeinsamen Plans beruhe, herausschneiden wollen; dies sei jedoch für GEs Aktionäre nicht sinnvoll und würde auch die EU-Wettbewerbshüter nicht befriedigen. GE und Honeywell hatten letzte Woche der EU den Verkauf eines Fünftels von GEs Flugzeug-Leasing-Gesellschaft angeboten. Dem Vernehmen nach sollte Citibank das Aktienpaket kaufen. Die EU bezeichnet das Angebot jedoch als unzureichend. Brüssel hat Bedenken über eine mögliche Bündelung der GE-Honeywell-Flugzeuggeschäfte und die damit einhergehende starke Marktstellung.

Der allen Anzeichen nach geplatzte Zusammenschluss brachte am Wochenende den Technologiekonzern United Technologies Inc (UTX) als möglichen Partner für Honeywell ins Gespräch. Der Hersteller von Triebwerken, Aufzügen und Kühlanlagen hatte bereits im Oktober Honeywell den Hof gemacht und damit GE angelockt. Nach Analystenangaben könnte UTX zwischen 40 und 45 Dollar je Honeywell-Aktie bieten. UTX befindet sich in einer starken Verhandlungsposition, weil für Honeywell nur eine begrenzte Zahl von Interessenten in Frage kommt. Bei 45 Dollar je Aktie würde Honeywell an der Börse 36 Milliarden Dollar wert sein - genausoviel wie General Motors Corp.

Die Zeit wird knapp, den Zusammenschluss zu retten. Formell entscheiden wollen die EU-Kommissare am 3. Juli. Bei der amerikanischen Regierung in Washington ist die Ablehnung der EU auf heftige Kritik gestoßen, weil die amerikanischen Kartellbehöden die Fusion seit längerem genehmigt hatten. Einige Kongressmitglieder haben der EU Protektionismus vorgeworfen und Gegenmaßnahmen angedroht. Sollte die Fusion am Dienstag offiziell abgelehnt werden, könnte GE die Entscheidung entweder auf dem Gerichtsweg anfechten oder einen neuen Antrag stellen. GE-Sprecherin Louise Binns sagte jedoch am Wochenende, GE habe nicht die Absicht, der EU neue Vorschläge zu unterbreiten. Sie ging aber nicht soweit, den Deal für tot zu bezeichnen. Binns: "GE wird seinen Vorschlag nicht zurücknehmen, doch sind wir nicht optimistisch, dass er genehmigt wird".

Ob die EU-Kommission nun wie vorgesehen am Dienstag dieser Woche den brisanten transatlantischen Wettbewerbsfall entscheidet oder ihren Spruch noch eine Woche verschiebt - alles spricht dafür, dass Europas oberste Wettbewerbshüter hart bleiben und die Fusion der beiden US-Konzerne General Electric (GE) und Honeywell verbieten werden. Der schon heute mächtige, überaus kapitalstarke Mischkonzern GE drohe, so fürchtet man in Brüssel, bei einer Fusion mit Honeywell weltweit den Markt für Flugzeugturbinen und Bordausrüstung zu beherrschen. Tatsächlich handelt es sich beim Markt der Flugzeugturbinen und Bordausrüstungen keineswegs nur um eine inneramerikanische Angelegenheit, sondern um ein weltweites Geschäft. Beide US-Unternehmen verkaufen nicht nur in Europa ihre Produkte. Sie produzieren auch in der EU. GE zum Beispiel beschäftigt in Europa 85 000 Mitarbeiter.

Um auch auf dem globalen Markt für fairen Wettbewerb zu sorgen, greift die EU-Kommission immer dann kontrollierend ein, wenn der weltweite Umsatz der Unternehmen fünf Milliarden Euro, der Umsatz in der EU 250 Millionen Euro überschreitet. General Electric und Honeywell liegen über diesen Schwellen. Betroffen von den Auswirkungen der geplanten US-Elefantenhochzeit werden in hohem Maß Kunden in Europa sein: Die europäische Luftfahrtindustrie mit Airbus an der Spitze, aber auch die Fluggesellschaften, die Flugzeuge kaufen oder leasen und unter einer Übermacht von GE leiden würden.

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