Wirtschaft : Geachtet, aber nicht geliebt

Ursula Engelen-Kefer hofft noch immer auf eine Zukunft an der DGB-Spitze

Alfons Frese

Berlin - Thesen und Theorien über das Ende von Ursula Engelen-Kefer als DGB-Vorstandsmitglied gibt es viele. Die hübscheste stammt aus dem DGB selbst: „Der Feind intelligenter Frauen sind dumme Männer.“ Nicht, dass die Vorsitzenden von DGB, IG Metall und Verdi dumm wären. Doch Michael Sommer, Jürgen Peters und Frank Bsirske wollen die Engelen weg haben. Aus unterschiedlichen Gründen. DGB-Chef Sommer, dem Eitelkeit nachgesagt wird, geht seine quirlige und sehr medienpräsente Stellvertreterin schon lange auf den Geist. „Die himmelt nicht den großen Meister an“, heißt es in Gewerkschaftskreisen. Gemeint ist Sommer, doch für Bsirske und Peters, die als Chefs der mit Abstand größten Gewerkschaften auch im DGB den Ton angeben, könnte das genauso gelten. In sozial- und vor allem arbeitsmarktpolitischen Debatten war Engelen-Kefer jahrelang die Stimme der Gewerkschaften und hat sich ein entsprechendes Image verdient. „Viele haben Angst vor ihr“, sagt ein Gewerkschafter. „Sie wird geachtet, aber nicht geliebt.“

Im Mai wählt der DGB-Bundeskongress einen neuen geschäftsführenden Vorstand, zu dem neben Sommer noch vier weitere Personen gehören. Engelen-Kefer, immerhin seit 1990 stellvertretende Vorsitzende des Dachverbands, wurde vom erweiterten DGB-Vorstand, zu dem auch die Vorsitzenden der acht Einzelgewerkschaften gehören, nicht nominiert. Ihr Vorstandskollege Heinz Putzhammer wird in drei Wochen 65, er scheidet also wirklich altersbedingt aus. Auch bei Engelen-Kefer argumentierten die Bosse mit dem Alter: Sie wird im Juni 63 Jahre und würde also im Verlauf der Wahlperiode die Altersgrenze von 65 überschreiten. „Ursula, wir können nicht gegen die Rente mit 67 sein und gleichzeitig arbeitest du bis 67.“ Mit diesem Argument sollen die mächtigen Männer ihr die Nicht-Nominierung verklickert haben.

In Wirklichkeit brauchte vor allem Peters Platz: Sein enger Vertrauter Claus Matecki (57) musste untergebracht werden, denn wenn im Herbst 2007 Peters abtritt und Berthold Huber die Führung der IG Metall übernimmt, hat auch Matecki keine Zukunft mehr in der Frankfurter Zentrale. Ein Versuch, Matecki als DGB-Chef von Nordrhein-Westfalen durchzusetzen, schlug fehl. Dann kam Peters auf den DGB-Bundesvorstand in Berlin. Mit Bsirske wurde er sich schnell einig. Peters bekommt Matecki in den Vorstand und Bsirske Annelie Buntenbach (51). Die stammt gewissermaßen aus Bsirskes politischem Milieu. Wie er gehört sie zu Bündnis 90/Die Grünen, arbeitet bei der Antiglobalisierungsorganisation Attac mit und befürwortet als grüne Fundamentalistin zum Beispiel die Einführung eines Grundeinkommens. Bsirske gefällt das. Und da Buntenbach zuletzt für Sozialpolitik in der IG BAU zuständig war, wussten Bsirske und Peters auch IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel hinter ihrem Personalvorschlag.

Die Vorsitzenden der kleinen Gewerkschaften mucken in der Regel gegen die beiden Großen nicht auf. Außer Hubertus Schmoldt, Chef der IG BCE. Der wollte eigentlich Reiner Hoffmann, einen IG-BCE-Mann, in den DGB-Vorstand drücken. Aber „Schmoldt ist abgeblitzt, weil er ein beschissener Networker ist“, sagt ein Gewerkschafter. „Er ist sich zu fein dafür, mit anderen zu reden.“ Peters/Bsirske setzten sich also durch und freuten sich über ihre erfolgreiche Personalarbeit. Aber nicht lange.

Bsirske soll noch ein paar Büros weiter zu hören gewesen sein, als er vergangene Woche mit seiner Stellvertreterin Margret Mönig-Raane telefonierte. Der Vorsitzende regte sich gewaltig auf über einen Beschluss des Bundesfrauenrates seiner Gewerkschaft, in dem Engelen-Kefer „für den Fall ihrer erneuten Kandidatur als stellvertretende Vorsitzende die Unterstützung der Verdi-Frauen zugesichert“ wird. Bsirske vermutete wohl Mönig-Raane hinter dem Beschluss, doch die Verdi-Oberfrau geht auf Distanz: „Wäre das ein halbes Jahr früher gewesen, dann hätte ich mich damit identifiziert“, sagt Mönig-Raane. Aber nun gäbe es eben eine Beschlusslage – und zwar gegen Engelen-Kefer.

EK selbst, wie sie hier und da genannt wird, hat sich bis heute nicht klar geäußert. Und das nervt wiederum die Gewerkschaftschefs, weil das Grummeln an der eigenen Basis nicht aufhört. Also baten die Herren die Kollegin Ursula am vergangenen Dienstag in der Vorstandssitzung um Klarstellung. Sie werde keine Kampfkandidatur anmelden, sagte Engelen-Kefer und wiederholte das einen Tag später vor dem 90-köpfigen DGB-Bundesausschuss. Ein kleines Hintertürchen ließ sie sich offen – und schlüpfte flott durch, bevor Peters und Bsirske verkünden konnten, dass der Fall Engelen-Kefer endlich in die Akten komme. Sie schließe eine Kandidatur nicht grundsätzlich aus, ließ sie von der Deutschen Presseagentur verbreiten. Aber was hat sie vor?

Sie äußere sich derzeit nicht, um den Arbeitskampf im öffentlichen Dienst nicht zu beeinträchtigen, heißt es in ihrem Umfeld. „Doch Engelen-Kefer wird künftig sicher nicht im Garten sitzen und mit dem Hund spielen.“ Die Gewerkschaftsführer, so wird erzählt, hätten ihr „eine Funktion im internationalen Bereich mit Kragenweite“ in Aussicht gestellt, als sie im Dezember ihre Zusage gegeben habe, nicht zu kandidieren. Doch die Stimmung dreht zunehmend gegen EK. Im DGB selbst wird nun kolportiert, es gehe Engelen-Kefer „in dem Spiel nur um Pöstchen und nicht um die Sache“. Und ein ihr durchaus wohl gesonnener Gewerkschaftsinsider ahnt bereits das Ende. „Sie entfernt sich von Stunde zu Stunde mehr von einem Ziel, dass sie glaubte erreichen zu können.“

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