Wirtschaft : Geb. 1900

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Sie war selbstbewusst und bisweilen unnachgiebig. Ein Leben als Ordensschwester kam für so eine nicht in Frage.

Else Budnowski, 1900 geboren, war acht Jahre alt, als man in Preußen erstmals Frauen zum Studium an der Universität zuließ. Ein Glück für das talentierte Mädchen. Ein Glück aber auch, dass sie aus einem gutbürgerlichen Haus stammte. Schon früh schickten ihre Eltern sie in einen Literaturzirkel. Mit 13 schrieb Else Budnowski ihre erste Geschichte über das Schicksal eines unehelichen Kindes. Sie war 17, als ihr erstes Gedicht veröffentlicht wurde.

Soziales Engagement und kulturelles Interesse wurden in dem Beamtenhaushalt gleichermaßen gefördert. „Die Zulagen und die Gehaltserhöhungen waren für Karitatives reserviert, aber Theater- und Opernabonnements mussten auch sein“, erzählte Else Budnowski in einem Interview kurz vor ihrem hundertsten Geburtstag. In der St. Paulus-Gemeinde in Moabit fand sie später in der Laiengemeinschaft der Dominikaner ihr religiöses Zuhause. Die Gemeinschaft blieb ihr ein Leben lang Rückhalt. Sie selbst war dem Leben zugewandt und versuchte, der Enge des Berliner Katholizismus zu entfliehen.

Mitte der zwanziger Jahre stand für Else Budnowski die Welt offen. Sie begann Englisch, Deutsch und Psychologie zu studieren. Etwa zur selben Zeit lernte sie den Priester Carl Sonnenschein kennen, der seit 1918 Leiter der katholischen Kirchenzeitung in Berlin war. Er half ihr eine Brücke zu schlagen zwischen literarischem Interesse und religiöser Motivation.

Auch andere waren inzwischen auf die selbstbewusste Studentin aufmerksam geworden. Sie wurde als Leiterin der Katholischen Verbandsgruppe berufstätiger Frauen – damals mit immerhin 300 Mitgliedern – vorgeschlagen. Für viele überraschend wurde die gerade 25-Jährige von den Honoratioren tatsächlich gewählt. Else Budnowski kümmerte sich engagiert um die Rechte und die Lebenssituation von Fabrikarbeiterinnen und Mädchen, die in den bürgerlichen Familien in Stellung waren. Sprachgewandt und mutig machte sie ihre Arbeit offenbar so gut, dass sie für etliche Jahre die Leitung behielt.

Als durchgehenden Erfolg wollte sie ihren Lebensweg später jedoch nicht verstanden wissen. Immerhin, sagte sie, habe sie für ihr katholisches Bekenntnis auch bezahlt. „Ich war die einzige Katholikin in der Klasse, ich war immer auf Abwehr eingestellt.“ Als sie ihr Studium beendet hatte, fand sie als katholische Lehrerin keine Anstellung in Berlin. Die Versetzung in ein Eifeldorf empfand sie als Strafe. Mit großer Angst vor der provinziellen Enge zog sie 1934 von Berlin weg.

Erst nach dem Krieg kehrte Else Budnowski wieder zurück. Jetzt wusste man ihr Organisationstalent und ihre mit der Zeit gewachsenen internationalen Kontakte zu schätzen. Else Budnowski wurde Gründungsmitglied der CDU-Tiergarten und fand gemeinsam mit der amerikanischen Laienbewegung der Dominikaner Mittel und Wege, Lebensmittel und Kleidung ins isolierte Berlin zu bringen. Bald begann sie auch wieder, an einer Schule zu arbeiten. Als engagiert und sehr streng haben ihre Schüler sie in Erinnerung. Mit ihren klaren Urteilen schmeichelte sie durchaus nicht allen. Selbstbewusst und bisweilen unnachgiebig erlebten sie viele als eine Frau, die sich nicht leicht unterordnen konnte. Auch deshalb kam für sie ein Leben als Ordensschwester nicht in Frage. Sie wollte immer mitten in der Welt sein. Eine verehrende Unterordnung unter eine Priorin lag ihr nicht. Frömmelei oder das Verfassen frommer Ergüsse, so sagte sie selbst, war nicht ihre Sache. Stattdessen schrieb sie Biographien über Menschen, die bekehrt oder berufen wurden.

Mit den Jahren ließ das Augenlicht nach. Das Schreiben fiel ihr immer schwerer. Doch Else Budnowski fand einen Weg, die Arbeit fortzusetzen. Bis kurz vor ihrem hundertsten Geburtstag half ihr eine ehemalige Mitschülerin, damals auch schon über 90, die Geschichten zu Papier zu bringen. Mit Hilfe, aber immer noch voller Energie, lebte sie alleine in der elterlichen Wohnung gegenüber dem Dominikanerkloster. Nur die letzten eineinhalb Jahre verbrachte Else Budnowski im Pflegeheim der Karmelitinnen. Ursula Engel

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