Wirtschaft : Geb. 1935

Hans Heinrich Bühler

Sonja Niemann

Hans Heinrich Bühler

Er liebte das Leben. Und er liebte alles, was das Leben so aufregend, glamourös und funkelnd machte wie die Diamanten, mit denen er sich als Edelsteinkundler beschäftigte. Aber er wusste auch, das dies Funkelnde nicht wirklich wichtig war. Dazu war er als Schweizer zu bodenständig.

Zum Beispiel Autos: Er fuhr alles, was schnell und teuer war, Lamborghini, Alfa Romeo, Maserati – bloß Ferrari mochte er aus unerfindlichen Gründen gar nicht. Motorsport war sein Hobby, er nahm in jungen Jahren oft an Autorennen teil, und mehrere seiner Wagen fuhr er dabei zu Schrott. Das machte nichts. Er klebte ein Foto seines ausgebrannten BMW ins Album und schrieb daneben: „Wohl etwas schnell gefahren.“

Zum Beispiel das Golfspielen: Er spielte nicht einfach nur Golf, er lebte Golf. Er war Gründungsmitglied eines Golfclubs in Andalusien und des Golfclubs Seddiner See bei Berlin. Er spielte mit Königen und schüttelte bei Turnieren den besten Golfspielern der Welt die Hand. Aber die Nähe zum Jet-Set war ihm nicht wichtig. Es ging ums Spiel.

Zum Beispiel Frauen. Er verehrte die Frauen, aber „Affären“ hatte er nicht, sagen seine Freunde. Hans Bühler war schließlich ein Gentleman. Einer, der gut aussah, sehr charmant, weltläufig und großzügig war. Noch im Krankenhaus stand er trotz der Schmerzen lächelnd auf, wenn eine Schwester sein Zimmer betrat. Das ist doch das mindeste an Höflichkeit, was man einer Frau entgegenzubringen hat.

Geboren wurde er in Zürich, in eher bescheidenen Verhältnissen. Der Vater arbeitete bei einer Textilfirma, und auch der Sohn machte nach der Schule eine Textilhandelslehre. Er heiratete sehr früh, die Ehe hielt nicht lange.

Das brave Leben gefiel ihm nicht. Und die Schweiz war ihm entschieden zu eng – räumlich und geistig. Er wollte raus, etwas von der Welt sehen, aufregende Dinge tun, das Leben auskosten.

Zuerst ging er nach Idar-Oberstein an die Fachschule für Edelsteinkunde. Dort wurde er zum Diplom-Gemmologen ausgebildet: Ein Edelsteinkundler, der Gutachten schreibt, berät, und auch mit ihnen handelt. Hans Bühler war schnell sehr gut und sehr erfolgreich in seinem Beruf. Das war seine Eintrittskarte in die ersehnte weite Welt.

Der Beruf erlaubte es ihm, viel zu reisen und auf der ganzen Welt zu arbeiten. Er lebte einige Jahre in New York, später in London, er reiste nach Indien und Dubai und hatte hintereinander mehrere Häuser in Marbella. Fest niederlassen wollte er sich nirgends. Er arbeitete in einem internationalen Geschäft, und darin fühlte sich Hans Bühler ganz gut aufgehoben: als Weltbürger.

Von seinem Geld leistete er sich das, was ihm Spaß machte, und das waren vor allem extravagante Sportarten. Es gab Zeiten, da besaß er elf Autos, auch um damit Rennen zu fahren. Er nahm am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil und gewann in seiner Klasse. Er machte einen Pilotenschein und legte sich gemeinsam mit Freunden ein Flugzeug zu, mit dem er mal eben zum Skifahren nach Sankt Moritz fliegen konnte. Am liebsten fuhr er dort Skeleton – das sind Schlitten, auf denen man bäuchlings kopfüber in die Tiefe saust.

Aber neben den gefährlichen Sportarten war ihm das Golfspielen doch am wichtigsten. Den königlichen Golfclubs Las Brisas auf Marbella gründete er mit, König Juan Carlos schaut dort ab und an vorbei.

Und dort, in Marbella in den siebziger Jahren, lernte er auch Editha kennen, genannt „Pauli“, eine Berlinerin. Pauli, die ebenfalls das Golfspiel liebte. Pauli, die immer elegant und charmant war. Pauli, die, genau wie Hans, dennoch nicht das Bodenständige verloren hatte. Pauli, die verheiratet war – auch Hans steckte zu der Zeit in einer Beziehung, aus der noch eine Tochter hervorgehen sollte. Besuche in Berlin waren möglich. Eine Freundschaft zu Pauli war möglich. Mehr nicht.

Sie war die Frau seines Lebens; es dauerte fast 20 Jahre, bis beide das erkannten.

Erst Mitte der Neunziger, Paulis Mann war inzwischen gestorben, zog Hans zu ihr nach Berlin. So richtig sesshaft wurde er aber immer noch nicht. Das Privatflugzeug existierte zwar schon lange nicht mehr, einer der Miteigentümer war damit überm Mittelmeer abgestürzt. Aber wozu gab es Air Berlin? Damit kam man auch nach Marbella. Die beiden verbrachten viele Monate im Jahr dort, und auch in Zürich war er oft. Aber wenn Hans Bühler jetzt von „Heimat“ sprach, meinte er Berlin.

Noch einmal zu heiraten war für beide nie ein Thema gewesen. Doch plötzlich wurde es wichtig. Fünf Monate, bevor Pauli starb, im Februar 2000 war das, heirateten sie. Es war beider Herzenswunsch.

2002 erfüllte sich Hans Bühler noch einen Lebenstraum: Einen eigenen Golfplatz, die Anlage Groß-Kienitz bei Berlin. Er war jeden Tag da – nur nicht, wenn er in Marbella war und dort auf dem Golfplatz spielte. Dass seine Gesundheit ihm plötzlich zu schaffen machte, sagte er nur seinen besten Freunden. Bei einem Mann, der nicht nur Autos, Golf und Frauen, sondern vor allem das Leben liebte, hatten Gedanken an den Tod einfach keinen Platz.

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