Gebrauchtwagen : Nachfrage nach alternativen Antrieben sinkt

Sie sind selbst gebraucht noch zu teuer: Elektro- und Hybridautos sind auf Deutschlands größter Online-Plattform Mobile.de eine Randerscheinung. Benziner und Diesel-Fahrzeuge sind hingegen gefragt wie nie.

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Gefragte Gebrauchte. Das Geschäft läuft besser als der Neuwagenverkauf.
Gefragte Gebrauchte. Das Geschäft läuft besser als der Neuwagenverkauf.Foto: IMAGO

Als Neuwagen sind sie Luxus oder Ladenhüter, als Gebrauchte verlieren sie schnell an Wert: Elektro- und Hybridautos. In den ersten drei Jahren büßen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Schnitt fast ein Viertel ihres Wertes ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des größten deutschen Internet-Fahrzeugmarktes Mobile.de. „Im Durchschnitt konnte 2013 ein Wertverlust bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben von 22,2 Prozent verzeichnet werden“, sagte Mobile.de-Chef Malte Krüger dem Tagesspiegel.

Die ohnehin geringe Nachfrage nach gebrauchten Elektro-, Hybrid- oder Gasmotorfahrzeugen ist auf der Online-Plattform zuletzt gesunken. Nach Angaben von Mobile.de fiel der Anteil der Suchanfragen nach Alternativantrieben 2013 auf nur noch 8,8 Prozent. Der Wertverlust dürfte dabei aber nicht ausschlaggebend sein. Denn auch konventionelle Benziner oder Dieselfahrzeuge verlieren in den ersten drei Jahren rund ein Viertel ihres Wertes – oder sogar noch mehr. Es ist der immer noch hohe Anschaffungspreis: Gebrauchte „Alternative“ im Alter von 30 bis 42 Monaten – meist Klein- oder Kompaktwagen – wurden bei Mobile.de im Januar für knapp 19 800 Euro angeboten. Konventionelle Gebrauchtwagen kosteten 2013 hingegen im Schnitt nur 18 600 Euro und waren knapp vier Jahre alt.

Mobile.de-Chef Krüger blickt insgesamt auf das erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte zurück. Mobile.de mit Sitz in Dreilinden bei Berlin wurde 1996 gegründet und gehört heute zum Online-Konzern Ebay. Ähnlich wie bei den Neuzulassungen erholte sich der Markt um die Jahreswende. „Es gab zuletzt eine sehr lebhafte Nachfrage nach jüngeren, hochwertigen Gebrauchten“, sagte Krüger. „Entsprechend haben sich die Standzeiten bei den Händlern reduziert.“ Die Durchschnittspreise seien gleichzeitig gestiegen – vor allem in der oberen Mittel- und Oberklasse. Mehr als 1,4 Millionen Fahrzeuge stehen bei Mobile.de zur Auswahl – davon lediglich gut 13 000 mit alternativem Antrieb. Laut Gfk werden über Mobile.de pro Jahr Fahrzeuge im Gesamtwert von mehr als 30 Milliarden Euro verkauft. Für das laufende Jahr ist Malte Krüger optimistisch: „Das Geschäft mit Gebrauchten wird etwas besser laufen als der Neuwagenverkauf. Schon 2013 war für die meisten Händler ein sehr gutes Jahr“, sagte er. Mehr als 40 000 Händler sind bei Mobile.de registriert, fünf Prozent mehr als 2012.

Expandieren will das Unternehmen, das keine Umsatz- und Gewinnzahlen veröffentlicht, vor allem im Neuwagengeschäft, das erst im Herbst 2013 gestartet wurde. Mehr als 78 000 neue Lagerfahrzeuge werden aktuell angeboten. Der klassische Autohandel entdeckt aber nur zögerlich die Chancen, die sich mit der Digitalisierung ergeben – vor allem im Mittelstand. „Es reicht nicht, nur ein Auto ins Internet zu stellen. Da müssen auch die Prozesse im Handel entsprechend angepasst werden“, sagte Krüger.

Anders die Großen der Branche. „Der Zugang zu den Händlern wird leichter, weil sie wissen, wie hilfreich wir auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind“, sagte Krüger. Im Neuwagengeschäft würden nun „ganz andere Türen“ bei den Herstellern, Verbänden und großen Handelsketten geöffnet. „Da wollen auch die ganz großen Spieler auf den obersten Hierarchieebenen mit uns sprechen.“

Die Hoffnung der Verbraucher, im Netz stets einen günstigeren Neuwagen zu finden, dürfte allerdings enttäuscht werden. „In unserem Neuwagengeschäft stehen Rabatte nicht im Mittelpunkt“, sagte Krüger. „Der faire Preis ist nicht immer der niedrigste Preis.“

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