Wirtschaft : Geduld und Ausdauer zählen in Osteuropa

INGO NARAT (HB)

Templeton läßt Anleger jetzt am Ostgeschäft teilhabenVon INGO NARAT (HB)

Der fröhlich lächelnde Säugling ist sein Lieblingsinvestor.Mark Mobius beendet die Multimedia-Info-Show über Anlagechancen an Emerging Markets gern mit einem Dia eines glücklichen Kleinen.Warum er sein Liebling ist? Mobius: "Keine Beschwerden und ein langfristiger Anlagehorizont.Ò Auf Geduld und Ausdauer legt der alte Hase im Schwellenbörsengeschäft großen Wert: "Einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren muß der Investor schon mitbringenÒ, erklärt er in einem Handelsblatt-Gespräch.Konsequenterweise schließt der Chef des Templeton-Managementteams für Schwellenländer den neu aufgelegten "Templeton Eastern European FundÒ in den Rat ein.Er empfiehlt außerdem, wegen der ausgeprägten Aufs und Abs an den Börsen der aufstrebenden Länder, Investments in Raten vorzunehmen.Das über Luxemburg lancierte Produkt ziele auf die wichtigste Käufergruppe in Europa: deutsche Anleger.Wenigstens 200 bis 300 Mill.US-Dollar will Templeton damit bis Ende 1998 einsammeln. Der 1936 in New York als Sohn deutscher Einwanderer geborene Mobius wird in einigen Ländern Schwerpunkte setzen: Polen, Ungarn, Rußland, Tschechien."In der Startphase könnten jeweils 15 Prozent der Fondsmittel in jedes der vier Länder fließenÒ, schätzt der Manager.Darüber hinaus denkt er über Anlagen im Baltikum, in Rumänien oder Kasachstan nach.Viele Länder beginnen seiner Meinung nach zur Zeit mit dem Aufbau einer administrativen und regulierten Infrastruktur, die für eine Marktwirtschaft erforderlich sei.Das schlage sich in einer schnelleren Umsetzung der Privatisierungsprogramme nieder.Länder wie Tschechien, Polen, Ungarn oder die Slowakei beschleunigten ihre wirtschaftliche Entwicklung.Resümee: "Osteuropa bewegt sich auf ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum und niedrigere Inflationsraten hin.Ò Interessant, daß sich gerade Templeton mit der Auflegung eines Osteuropa-Regionenfonds so lange Zeit ließ.Denn viele Konkurrenten haben entsprechende Produkte schon lange im Angebot.Dabei ist die US-Fondsgesellschaft seit mehr als 30 Jahren im Emerging Markets-Geschäft aktiv und verwaltet über 15 Mrd.US-Dollar in diesem Segment.Außerdem kann sie mit Mobius vielleicht den Schwellenbörsenexperten schlechthin aufbieten: Er betreut mit seinem Team mehrere Fonds, unter anderem den schon 1987 aufgelegten Emerging Markets Fund (ein weltweit anlegender geschlossener Fonds mit Börsennotierung in New York), ein auch in Deutschland angebotenes Pendant in offener Konstruktion sowie zwei weitere geschlossene Fonds mit Ost-Ausrichtung.Templeton nennt einen Grund für das Zögern."Die Zeit war noch nicht reif für einen spezialisierten offenen Fonds, der in Osteuropa anlegt, denn den Märkten fehlte es an LiquiditätÒ, meint Mobius.Und fehlende Liquidität bereite insbesondere Probleme, wenn wie im Oktober und November die Kurse stürzten und Anleger Anteile offener Fonds zurückgegeben würden. Wie die Statistik zeigt, verloren die Osteuropafonds allein von Mitte Oktober bis Mitte November in der Regel 15 bis 20 Prozent an Wert."Deshalb ist die Auflage eines Fonds zum jetzigen Zeitpunkt ideal; die Kurse bieten nach dem kräftigen Rutsch eine gute Ausgangsposition für attraktive Performance auf Sicht der nächsten JahreÒ, meint Mobius.Er weist neben den generell starken Kursausschlägen an Schwellenbörsen noch auf andere Risiken hin.Besonders in Osteuropa "weiß man oft nicht, was das Management der Unternehmen wirklich macht; die Sicherung der Aktionärsrechte ist ein weiterer Knackpunkt, denn in Rußland etwa führen sich manche Firmenchefs noch so selbstherrlich auf wie zu Zeiten des KommunismusÒ.Und mit der Unternehmenseinschätzung steht und fällt der Anlageerfolg.Schließlich dreht sich bei der Aktienanalyse alles um die Firma und deren Management.Deshalb ist Mobius meist mit dem Firmenjet unterwegs, um die Gesellschaften vor Ort in Augenschein zu nehmen.Kurs/Gewinn-Verhältnisse als Bewertungsgrundlage treten jedoch in den Hintergrund, "denn Gewinnschätzungen sind wegen der schlechten Bilanzierung meist sehr ungenauÒ.Außerdem schrieben viele attraktive Gesellschaften keine schwarzen Zahlen. Mehr Wert legt Mobius auf die Kurs/Buchwert-Verhältnisse, die die Preisgünstigkeit einer Aktie nicht am Ertrag, sondern an den Vermögenswerten festmachen.In der Regel würden Unternehmen in Osteuropa zu Börsenkursen gehandelt, die deutlich unter den fairen Werten rangierten: "Am klarsten sieht man das bei den Öl- und Gasgesellschaften, aber auch bei Versorgern oder Zementherstellern.Ò Mobius nennt als Beispiel osteuropäische Ölfirmen, die an den dortigen Börsen mit ein bis zwei Dollar je Barrel nachgewiesener Reserven bezahlt würden.Für westliche Ölfirmen legten Börsianer dagegen das Fünfzehn- bis Zwanzigfache auf den Tisch.Mobius merkt allerdings an, daß solche Rechnungen die Wirklichkeit nicht hinreichend widerspiegelten.Schon deshalb, weil Ölreserven im Persischen Golf aufgrund ihrer leichten Erschließbarkeit oder unter Sicherheitsaspekten nicht mit denen in Sibirien vergleichbar seien.Die Daten des Templeton Eastern European Fund: Kennummer 987 144, Mindestanlage 5000 DM, Ausgabeaufschlag 5,25 Prozent, Verwaltungsvergütung 1,75 Prozent pro Jahr, jährliche Ausschüttung.

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