Wirtschaft : Gefährliches WM-Fieber im Büro Worauf Arbeitnehmer achten müssen

Gero Brandenburg

In vier Wochen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft (11. Juni bis 11. Juli) in Südafrika. Ein sportliches Großereignis, das auch in den Büros deutscher Unternehmen ein wichtiges Thema sein wird. Doch die Fußballbegeisterung verträgt sich nicht unbedingt mit dem deutschen Arbeitsrecht. Gearbeitet wird nun mal nach Dienst und nicht nach Spielplan.

Südafrika liegt in derselben Zeitzone wie Deutschland, viele Spiele finden um 13.30 oder um 16 Uhr statt. Wer die DFB-Auswahl in ihrem ersten Gruppenspiel am 18. Juni mittags gegen Serbien live erleben will, benötigt entweder flexible Arbeitszeiten, Urlaub, die Chance Überstunden abzufeiern – oder aber einen toleranten Arbeitgeber.

Wer den Urlaub frühzeitig angemeldet hat, ist natürlich klar im Vorteil. „Der Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers genießt Priorität“, sagt Neslihan Turan, Arbeitsrechtlerin in der Anwaltskanzlei HMW. Arbeitnehmer, deren Urlaubsantrag nicht entsprochen wird, sollten Büro oder Betrieb nicht eigenmächtig fernbleiben. Sonst drohen nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) rechtliche Konsequenzen bis hin zur fristlosen Kündigung.

Ähnlich verhält es sich, wenn Fußballfans krankfeiern, um ihrem Team gemütlich in einer Kneipe die Daumen zu drücken, und dies womöglich vorher sogar im Kollegenkreis angekündigt haben. „Wer aus Krankheitsgründen nicht zur Arbeit erscheint, sollte in jedem Fall auch ein Attest des Arztes vorlegen können“, rät Turan.

Wer sich an seinem Arbeitsplatz aufhalten muss, kann die Spiele zumindest im Radio verfolgen, urteilte das BAG. Vorausgesetzt, er erledigt seine Aufgaben konzentriert, zügig und fehlerfrei und stört mit den Radiogeräuschen weder Kollegen noch Kunden. Diese Grundsätze gelten nicht für TV und Internet (Live-Stream oder Ticker). Wer Fußball sieht, wird demnach zu stark abgelenkt und hat deshalb keinen Anspruch darauf. Im Idealfall suchen Arbeitnehmer direkt oder über den Betriebsrat das Gespräch mit den Vorgesetzten und klären, was während der WM in der Arbeitszeit erlaubt ist. Bewährt haben sich auch Tauschbörsen, damit die Fans ihre Dienste mit weniger fußballinteressierten Kollegen tauschen können.

Nicht wenige Unternehmen schätzen aber auch das gemeinsam erlebte Sportereignis, das Miteinander der Kollegen, weil es Klima und Motivation verbessert. Sogar Trikots und ein Bier – wenn nicht aus Gründen des Arbeitsschutzes generell verboten – sind dann gerne gesehen, solange das die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Gero Brandenburg

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