Gefälschter College-Abschluss : Hedgefonds will Yahoo-Chef loswerden

Axel Postinett
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San Francisco - Scott Thompson bleiben vielleicht nur noch ein paar Stunden an der Spitze von Yahoo. Das Ultimatum, das ihm ein Aktionär stellt, klingt jedenfalls hart: Bis zu diesem Montag, frühe US- Zeit, muss Yahoo seinen Vorstandsvorsitzenden gefeuert haben, fordert Hedgefonds-Manager Daniel Loeb. Sonst werde er rechtliche Schritte ergreifen. In einem ebenso scharf wie ironisch formulierten Brief hatte Loeb Ende vergangener Woche Thompson beschuldigt, in seinem Lebenslauf gelogen zu haben.

Ein angeblicher Studienabschluss in Informatik existiere in Wirklichkeit gar nicht. Eine einfache Suche bei Google, schrieb Loeb, hätte dem Yahoo-Aufsichtsrat genügt, das selbst zu merken. Thompson versuchte, sich tollpatschig mit einem „unbeabsichtigten Fehler“ aus der Affäre zu ziehen, was alles nur noch schlimmer machte. Denn der falsch angegebene Abschluss lässt sich über Jahre zurückverfolgen. Seitdem fordert das Silicon Valley seinen Kopf, die Blogosphäre ergeht sich in Hohn und Spott.

Viele Freunde hatte der frühere Paypal-Präsident ohnehin nicht zwischen San José und San Francisco gewonnen, seit er im März ausgerechnet Facebook in einen wüsten Patentkrieg verwickelt hat. Auch mit Loeb setzt sich Thompson schon länger auseinander. Loebs Hedgefonds Third Point hält 5,8 Prozent an Yahoo und fordert deswegen einen Sitz im Aufsichtsrat. Bisher vergeblich.

Loeb sei „nicht qualifiziert genug“, argumentierte Thompson bisher. Angesichts von Thompsons eigenem gefälschten Lebenslauf eine eher peinliche Abfuhr.

Jetzt kämpft Thompson einen Kampf, den er kaum gewinnen kann. Der 53-Jährige war im Januar dieses Jahres wie aus dem Nichts als Hoffnungsträger bei Yahoo aufgetaucht. Um so größer jetzt die Blamage für das Aufsichtsgremium des Internet-Konzerns, das sich vorwerfen lassen muss, seinen Wunschkandidaten eigentlich gar nicht richtig überprüft zu haben. Das wiegt schwer, nachdem Thompsons Vorgängerin, Carol Bartz, nach nur anderthalb Jahren wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten gefeuert wurde.

Viel Wohlwollen kann Thompson also nicht von denen erwarten, die er erst zu Witzfiguren der öffentlichen Meinung gemacht hat. „Er muss gehen“, sagte die Personalchefin eines kalifornischen Technologieunternehmens, die ungenannt bleiben möchte, dem Handelsblatt. „Wenn Yahoo ihn hält, werden die riesige Probleme haben, jemals wieder jemanden wegen Fehlverhaltens zu entlassen.“ Axel Postinett (HB)

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