Gefahr im Kinderzimmer : Barbie macht Angst

Mattel ruft schon wieder Spielzeug zurück. 850.000 Produkte sind weltweit betroffen. Verbraucherschützer fordern härtere Kontrollen.

Maren Peters,Bernd Hops
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Barbie-Rückruf. Schwermetall in der Farbe -Foto: dpa

BerlinZum dritten Mal innerhalb von fünf Wochen hat der US-Spielzeugkonzern Mattel gefährliches Kinderspielzeug aus chinesischer Produktion zurückgerufen. 21 Millionen Produkte sind nun insgesamt betroffen. Die erneute Rückrufaktion am Mittwoch betrifft 850 000 Produkte weltweit, knapp 40 000 davon sind in Deutschland auf dem Markt, teilte der Hersteller mit. Darunter sind Accessoires für Barbie-Puppen wie das Katzenhaus, ihr Spielzeughund, Tisch und Küchenstühle und die Salatschüssel.

Nach dem erneuten Vorfall forderten Verbraucherschützer von der Bundesregierung schärfere Kontrollen bei der Einfuhr von Spielzeug. Die EU-Kommission kündigte an, die Prüfvorschriften beim Import von Kinderspielzeug bis zum Ende des Jahres zu verschärfen.

Im August hatte Mattel bereits zweimal Spielzeug aus chinesischer Produktion zurückgerufen. Auslöser waren damals ebenfalls erhöhte Bleiwerte in der Farbe sowie verschluckbare Kleinmagnete. Auch der US-Spielwarenhändler Toys ’R’ Us hatte im vergangenen Monat Baby-Lätzchen aus China wegen eines zu hohen Bleigehalts zurückgerufen. Das US-Handelsunternehmen Martin Designs rief Verbraucher aus dem gleichem Grund auf, eine Viertelmillion in China hergestellter Kinder-Adress- und Notizbücher zurückzugeben.

Nach Angaben von Mattel sind die Produkte, die am Mittwoch zurückbeordert wurden, von Vertragslieferanten gefertigt worden, die Farbarbeiten wiederum an chinesische Zulieferer ausgelagert hätten. Die höheren Bleiwerte seien gefunden worden, nachdem Mattel seine Beziehungen zu chinesischen Lieferanten überprüft habe. Mehrere chinesische Firmen seien dabei ausgeschlossen worden.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin drohen gerade bei Heranwachsenden unumkehrbare Nervenschäden, wenn sie hoher Bleibelastung ausgesetzt sind.

„Wir brauchen eine besser Marktüberwachung“, forderte Gerd Billen, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv). „Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass dieser ganze Schrott nicht in unseren Kinderzimmern landet.“ Der erneute Fall bei Mattel zeige, „dass selbst die Sicherungssysteme der großen Konzerne nicht ausreichen.“ Wie bei Lebensmitteln müsse die Überprüfung der Waren schon an der Grenze erfolgen, sagte Billen. Je nach Ergebnis der Tests müsse der gesamte Container zurückgeschickt werden. „Wenn die Produkte erst in den Ein-Euro-Shops angekommen sind, ist es zu spät“, kritisierte er und forderte von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) größere Anstrengungen.

Die EU-Kommission kündigte am Mittwoch an, die Kontrollsysteme für Waren aus Übersee zu überprüfen. Mit dem Barbie-Hersteller Mattel stehe man in engem Kontakt, erklärte Kommissionssprecherin Helen Kearns in Brüssel. Ergebnisse seien Ende Oktober zu erwarten.

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