Geflügelfilets im Test : Nicht mehr ganz frisch

Die Stiftung Warentest hat die Qualität von Geflügelfilets getestet. Ergebnis: Jede zweite Probe hat Mängel. Zwei verdorbene Produkte kommen von einem Schlachthof in Brandenburg.

Laura Höflinger
Die Testergebnisse im Überblick
Die Testergebnisse im ÜberblickStiftung Warentest (test 10/2010)

Elf Kilogramm Hähnchenfleisch jährlich isst jeder Deutsche im Schnitt. Nicht immer hat das, was auf dem Teller landet, die Qualität, die es haben müsste, fand die Stiftung Warentest heraus. 19 Hähnchenbrustfilets haben die Verbraucherschützer getestet: In zwei Fällen war das Fleisch am Tag des aufgedruckten Verbrauchsdatums schon verdorben. Beide Produkte stammen von einem Hof in Brandenburg mit dem Namen „Friki“, eines ist unter der Marke „Gut Langenhof" beim Supermarkt Norma im Handel.

Die Tester probierten das Fleisch im Versuch erst gar nicht. So etwas komme extrem selten vor, betonten sie. Doch bereits das rohe Fleisch habe dermaßen säuerlich gerochen, dass man den Prüfern nicht zumuten wollte, die Ware zu probieren. Im Labor fanden Mitarbeiter denn auch eine erhöhte Menge an Keimen. Beide Produkte erhielten die Note „mangelhaft“.

Beim Schlachthof „Friki“ in Storkow, aus dem das verdorbene Fleisch stammt, kann Sprecherin Ulrike Rücker das schlechte Urteil „nicht nachvollziehen.“ „Unsere Produkte werden ständig geprüft", sagte sie auf Nachfrage. Auch im zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt im Landkreis Oder-Spree gab es nach Angaben der Behörde bei den täglichen Betriebskontrollen noch nie Auffälligkeiten.

Amtsleiter Tomas Maczek kritisiert, dass die Stiftung Warentest erst ein halbes Jahr nach dem Test ihren Bericht liefert: „Nun kann ich dem Ergebnis nur noch hinterherrennen“, sagt er verärgert. Er und Friki-Geschäftsführer Bernhard Lammers hätten sich gewünscht, die Stiftung hätte den Vorfall bereits im Frühjahr zur Anzeige gebracht. Das geschehe jedoch nur, wenn man gesundheitsgefährdende Keime findet, sagt ein Lebensmittelchemiker der Stiftung Warentest: „Das Fleisch war zwar nicht zum Verzehr geeignet, für den Menschen war es aber nicht krankmachend.“ Wer Schuld habe, könne der Test nicht sagen. So könnten die internen und staatlichen Kontrollen durchaus gut ausfallen. Dass beim Transport Waren falsch gekühlt wurden oder ein falsches Verbrauchsdatum aufgedruckt war, sei aber trotz der Kontrollen möglich.

Auch bei anderen Marken fiel den Testern ein seltsamer Geruch auf: Die Filets rochen leicht dumpf, muffig und säuerlich. Zum Teil sei das auch nach der Zubereitung noch so gewesen. Rückstände von Antibiotika fanden sie zwar nicht, dafür aber ein Anti-Parasitenmittel in den Produkten von Norma und „MaitreCoQ“. Solcherlei Mängel gab es bei rund der Hälfte der getesteten Produkte; jedes zweite Filet erhielt dagegen ein gutes Urteil. Platz eins und zwei belegten Filets aus ökologischer Haltung. Aber auch das billigere Discounter-Fleisch von Aldi und Lidl konnte die Tester überzeugen. Sie kritisierten aber die Bedingungen, unter denen die Tiere leben.

Verbrauchern rät die Stiftung Warentest, die Verbrauchsfrist für Fleisch nicht auszureizen. Vor allem wenn das Fleisch verdächtig riecht, gehört es in den Müll. Auch sollte man das Geflügel nie offen stehen lassen, sondern verschlossen im Kühlschrank lagern.

Wer wissen will, von welchem Betrieb sein Fleisch kommt, kann das im Internet beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit herausfinden. Dazu reicht es, unter der Adresse http:btl.bvl.bund.de/btl die Nummer einzugeben, die in einem Oval auf der Verpackung steht.

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