Wirtschaft : Gefördert, aber selten befördert Die Frauenquote steht bisher nur auf dem Papier

Manuel Vering

Berlin - „Es handelt sich bei der Frauenquote um kein erfreuliches Ergebnis, sondern um eine Erinnerung, wie rückschrittlich unsere Republik ist“, sagte Wolfgang Schröder (SPD), Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie in Brandenburg. Am Tag, an dem schwarz auf weiß nachzulesen war, dass die Frauenquote Bestandteil des Koalitionsvertrags ist, diskutierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft auf der Diversity-Konferenz über den Weg zur Quote – und wie es weitergehen soll. Dass 30 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen bis 2016 Frauen sein müssen, wurde von den Teilnehmern überwiegend begrüßt. Doch es gab auch kritische und warnende Worte.

Sorgen macht sich Ursula Schwarzenbart, Chefin des Diversity-Managements bei Daimler, dass „Mann“ das Thema aussitzen und die Frauenquote nur „bei Power-Point- Präsentationen interessant bleiben könnte“. Daimler selber fehle nur noch eine Frau, um die Frauenquote im Aufsichtsrat zu erfüllen.

Die Politikberaterin Rita Pawelski (CDU), bis vor wenigen Wochen Mitglied des Bundestags, erklärte, dass erst die fraktionsübergreifende Zusammenarbeit die Debatte um die Frauenquote vorangebracht habe. Der Aufruf der Grünen aus dem Jahr 2005 an die Frauen in der deutschen Wirtschaft, sich zu organisieren, zeige Wirkung. Ein Jahr später wurde die Initiative Fidar – „Frauen in die Aufsichtsräte“ gegründet. Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow sagte, Frauen würden heute zwar oft gefördert – aber zu selten befördert. „Männer ziehen Männer hoch“, kritisierte Pawelski. Die Quote sei ein erster Schritt, damit „Frauen sich auch an den Kungeleien beteiligen können“.

Anders sieht das Marion Schick, Vorstandsmitglied der Telekom. Sie glaubt nicht, dass „den Frauen Heerscharen böser Männer im Weg stehen“. Schick ist erkennbar gegen eine Frauenquote. Dass die erfolgreichste Frau der Telekom allerdings nur „ihrem Chef den Rücken frei halte“, wie es in einer aktuellen Werbeanzeige des Konzerns heißt, findet die Managerin doch eher unglücklich ausgedrückt.  „Sie können sicher sein, dass die Agentur in einer halben Stunde einen Anruf von mir bekommt“, kommentierte Schick den Slogan. Manuel Vering

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben