Gefragte Aktien : General Motors steuert auf weltgrößten Börsengang zu

General Motors legt bei der Rückkehr an die Börse einen erfolgreichen Start hin. Investoren sind ganz wild auf die Aktien. GM freut sich - und verlangt den Maximalpreis für das Papier.

General Motors steuert auf den größten Börsengang der Geschichte zu. Der Opel-Mutterkonzern steht ein Jahr nach der Beinahepleite derart verlockend da, dass sich Investoren um die Anteile reißen. Am Ende könnte GM sogar den bisherigen Spitzenreiter - die Agricultural Bank of China mit ihren 22,1 Milliarden Dollar - in den Schatten stellen. GM werde zwischen 20,1 und 23,1 Milliarden Dollar einsammeln, teilte das Unternehmen am späten Mittwoch (Ortszeit) in Detroit mit. Wegen der hohen Nachfrage verlangt GM den maximal möglichen Preis für seine Stammaktien, das sind 33 Dollar das Stück.

Die Gesamtsumme liegt fast anderthalb mal so hoch wie ursprünglich geplant. Zwischenzeitlich hatte GM sowohl die Preisspanne als auch die Zahl der Aktien erhöht. Die Mehreinnahmen fließen vor allem in die US-Staatskasse. Die Regierung in Washington hatte GM mit einer satten Finanzspritze vor dem Untergang gerettet und hält seitdem die Mehrheit. Weitere Aktien liegen bei Kanada, der Autogewerkschaft UAW sowie Gläubigern der alten GM. „Wir sind besonders denen dankbar, die uns in den schweren Zeiten beigestanden haben“, sagte Finanzchef Chris Liddell. Er prophezeite dem Unternehmen goldene Zeiten. Der Konzern wird wie erwartet an diesem Donnerstag an die Börse zurückkehren. Am Morgen beginnt der Handel an der New York Stock Exchange und der Toronto Stock Exchange.

In einem ersten Schritt wirft GM im Auftrag seiner Besitzer 478 Millionen Stammaktien auf den Markt. Zusammen mit der „eisernen Reserve“ der beteiligten Banken könnten am Ende sogar knapp 550 Millionen Stammaktien in den Händen der privaten Investoren landen. Hinzu kommen Vorzugsaktien im Wert von mittlerweile bis zu 5 Milliarden Dollar, für die die Investoren Zinsen erhalten; dieses Geld fließt GM selbst zu.

Analysten rechnen damit, dass die frischen GM-Aktien bei ihrem Debüt an der Wall Street kräftig steigen werden. Das hat seinen Grund: GM ist trotz aller Probleme immer noch der zweitgrößte Autohersteller der Welt nach Toyota. Der Konzern aus Downtown Detroit hatte sich in seiner Insolvenz von den Lasten der Vergangenheit befreien können wie überbordenden Personalkosten und hohen Schulden. Die Verkäufe steigen seit den Tiefständen im vergangenen Jahr wieder an. In diesem Jahr hat GM unterm Strich bereits vier Milliarden Dollar verdient und steuert auf den ersten Jahresgewinn seit 2004 zu.

Zuletzt waren es nur noch die deutsche Tochter Opel und deren britische Schwestermarke Vauxhall, die Probleme bereiteten. Und auch diese zwei Sorgenkinder sollen nach harter Sanierung 2012 wieder gutes Geld abwerfen. Eine ganze Reihe von Unternehmen hatte die wirtschaftliche Erholung bereits für einen Börsengang genutzt. Denn die internationalen Investoren sitzen auf Geldbergen, weil sie sich in der Krisenzeit nicht getraut hatten, die Milliarden auszugeben. Die Börsengänge spielten sich bis dato aber zumeist im boomenden Asien ab. Die Agricultural Bank of China war im Juli diesen Jahres aufs Parkett gegangen.

In den USA hält der Kreditkartenanbieter Visa den Rekord mit 19,7 Milliarden Dollar; das Unternehmen war Anfang 2008 und damit knapp vor dem Hochkochen der Finanzkrise an die Börse gegangen. Größte Platzierung in Deutschland war die der Telekom 1996 mit 10 Milliarden Euro. Das Papier war als „Volksaktie“ gepriesen worden, stürzte nach dem Platzen der Dotcom-Blase aber ab. Viele Kleinanleger sitzen bis heute auf ihren Verlusten.

Bei GM dürften Kleinanleger kaum zum Zuge kommen. Zu den Investoren bei GM gehören dagegen Staatsfonds aus Asien und dem Nahen Osten, die ein Faible für die Autoindustrie haben und etwa bei Daimler oder VW engagiert sind. Auch der langjährige chinesische GM- Partner SAIC dürfte sich ein Paket gesichert haben. Die Volksrepublik ist mittlerweile der zweitwichtigste Markt für die Amerikaner. Europa dagegen verliert wegen der anhaltend schwachen Verkäufe zunehmend an Bedeutung. Die US-Regierung will sich aber lieber heute als morgen von ihrer Mehrheit trennen und damit die Hilfen von 49,5 Milliarden Dollar wieder reinholen. Der Staat hält derzeit 61 Prozent und würde im Rahmen des Börsengangs auf bis zu 26 Prozent abrutschen. (dpa)

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