Wirtschaft : Gegen Regulierung: Analysten wehren sich gegen zusätzliche staatliche Auflagen

tmo

Überrascht haben Banken und Interessenverbände auf Pläne der Bundesregierung reagiert, einheitliche Regeln für Analysten zu schaffen. Der Bundesverband deutscher Banken und die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) wandten sich gegen zusätzliche staatliche Auflagen. Beide Verbände erklärten, ihnen lägen keine Informationen zu den Überlegungen im Ministerium vor.

Ulrike Diehl, Geschäftsführerin der DVFA, in der die meisten bei Banken tätigen Analysten zusammengeschlossen sind, betonte, die DVFA habe bereits eigene Standesregeln aufgestellt, an die sich alle Mitglieder halten müssen. So verurteilt die DVFA ausdrücklich Geschäfte im Eigeninteresse - wenn ein Analyst etwa versuchen würde, durch Kaufempfehlungen den Kurs eines Wertpapiers zu beeinflussen, das er zuvor selbst gekauft hat.

"Soweit Analysten im Rahmen eines staatlich geprüften und überwachten Instituts arbeiten, wird ihre Tätigkeit bereits mehrfach reguliert", sagte Thomas Weisgerber, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken. Er verwies auf die bestehenden Gesetze und Überwachungsinstanzen für Kreditinstitute sowie auf die Selbstkontrolle der Branche. So dürfen bereits in vielen Banken die Analysten keine Aktien derjenigen Unternehmen halten, die sie selbst unter die Lupe nehmen.

Analysten in Frankfurt sprachen allerdings durchaus von einem "Problembewusstsein", das in den Banken vorhanden sei. "Man muss schon zugeben: Im letzten Jahr gab es einige Pannen", sagte Bernd Janssen, Leiter der deutschen Analyseabteilung der Schweizer Bank UBS Warburg. Laut Janssen können nationale Gesetzesauflagen das Problem aber nicht lösen. "Der Markt reguliert das", sagte Janssen. Kaum eine Branche verändere sich so schnell und sei so international wie die Analystenzunft. In einem solchen Umfeld würden zu enge staatliche Regeln mehr schaden als nutzen.

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