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Gegen sinkende Gewinne : Lufthansa will billiger fliegen als Billigflieger

Die wirtschaftlichen Probleme der Lufthansa könnten zum Vorteil für Fluggäste werden. Die Airline will den Billiganbietern mehr Konkurrenz machen - auch bei weit entfernten Zielen.

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Viel Rauch und Feuer. Lufthansa positioniert sich neu - die wachsende Konkurrenz treibt die größte europäische Fluggesellschaft zu massiven Umbauten. Foto: dpa
Viel Rauch und Feuer. Lufthansa positioniert sich neu - die wachsende Konkurrenz treibt die größte europäische Fluggesellschaft zu...Foto: dpa

Kein neues Sparprogramm, dafür eine deutliche Erweiterung des Billigflug-Angebotes und besserer Service in den Flugzeugen und am Boden – damit will der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr das Unternehmen voranbringen. Im Zentrum seiner am Mittwoch vorgestellten Strategie steht das sogenannte „Wings-Konzept“. Damit sollen die Lufthansa-Töchter Germanwings und Eurowings günstigen Anbietern wie Ryanair oder Easyjet Paroli bieten.

Außerdem will Spohr im Langstreckenverkehr nach Asien und Afrika mit günstigen Tickets Zeichen setzen. Auch die Anbindung oder die Übernahme weiterer Fluggesellschaften sei eine Option. „Wir wollen nicht zu den Getriebenen, sondern zu den Treibern der Veränderungen in der Luftfahrtbranche gehören“, bekannte Spohr.

Low Cost zum Warmwasserziel

Eine zentrale Rolle soll die Billig-Tochter Germanwings spielen. Ihre Flotte wird bis Frühjahr 2015 von derzeit 23 auf bis zu 60 Maschinen ausgebaut. Zweites Standbein im Billig-Segment wird Eurowings, die mit 23 Flugzeugen ab 2015 Ziele in Europa anfliegen soll. Spohr zufolge liegen die Produktionskosten bei Germanwings um 20 Prozent niedriger als bei der Lufthansa und bei Eurowings noch einmal um 20 Prozent unter denen von Germanwings – etwa, weil dort das Personal weniger verdient.

Noch nicht beschlossen ist das Billig-Konzept für die Langstrecke. Hier will Spohr sieben Jets einsetzen – allein oder in Zusammenarbeit mit Turkish Airlines. Gespräche seien weit fortgeschritten, sagte Spohr. Im Blick hat er „Warmwasserziele“ wie die Seychellen oder Mauritius und Städte in China und Asien. Hier sollen die Tickets um einen zweistelligen Prozentsatz günstiger sein als bei der Konkurrenz. Erst kürzlich gab Lufthansa deshalb eine vertiefte Zusammenarbeit mit Air China bekannt.

Lufthansa wird zur Luxus-Marke

Weitere Schwerpunkte für den Vorstandschef sind ein besserer Service und der Ausbau der Lufthansa zur ersten westlichen Fünf-Sterne-Airline. Das haben bislang nur acht arabische und asiatische Fluggesellschaften geschafft. Helfen sollen Innovation. Noch 2014 soll in Berlin der erste „Innovation Hub“ eröffnet werden, ein zweistelliger Millionenbetrag steht bereit. Dort und auch im Silicon Valley will die Lufthansa näher an Start-ups und an die Technologieszene heranrücken, um auf neue Ideen zu kommen.

Spohr präsentierte am Mittwoch zwar kein neues Sparprogramm – das aktuelle läuft Mitte 2015 aus. Die Stückkosten sollten aber weiter sinken, damit die Lufthansa wettbewerbsfähig bleibe. Spohr zufolge sind pro Jahr Produktivitätsverbesserungen in Höhe von 700 Millionen Euro nötig, um Inflation und Preisdruck ausgleichen zu können.

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