Wirtschaft : Gegenwind für Conergy

Ein ehemaliger Schering-Vorstand wird überraschend Finanzchef – das schockt die Börse

Daniel Rhée-Piening

Berlin / Frankfurt am Main - Der Solar- und Windkraftanlagenbauer Conergy ist ins Gerede gekommen. An der Börse brach der Kurs am Montag zwischenzeitlich um fast elf Prozent ein. Bis zum Abend erholte sich die Aktie kaum. Sie schloss mit einem Abschlag von 8,9 Prozent und war damit der schwächste Wert im technologieorientierten Börsenindex Tec-Dax.

Hintergrund ist die überraschende Auswechslung des Finanzvorstandes, die von der Hausbank Deutsche Bank forciert worden sein soll. Das Institut soll mit der Geschäftsentwicklung unzufrieden sein und mit der Streichung von Kreditlinien gedroht haben, hieß es auf dem Parkett. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern.

Conergy holt sich den ehemaligen Schering-Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter ins Haus. Spiekerkötter trete am 1. November die Nachfolge von Finanzchef Heiko Piossek an, teilte Conergy am Montag mit. Piossek war seit Anfang 2005 Finanzvorstand bei Conergy. Sein Vertrag lief eigentlich bis zum 31. Januar 2008. „Wir hatten die Chance, mit Herrn Spiekerkötter einen sehr renommierten ehemaligen Dax-Finanzvorstand bereits zum 1. November in das Unternehmen zu holen und die haben wir genutzt“, begründete ein Conergy-Sprecher die vorzeitige Ablösung von Piossek. Piossek habe einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, das Unternehmen innerhalb von zwei Jahren auf ein völlig neues Niveau zu heben. Dem bisherigen Finanzchef sei eine andere „attraktive Führungsposition“ angeboten worden. Er werde in den nächsten Wochen entscheiden, ob er diese annimmt, sagte der Sprecher. Spiekerkötter war bis September 2006 Finanzvorstand bei Schering und wechselte dann zur Pharmasparte Organon von Akzo Nobel, die das niederländische Unternehmen an den US-Pharmakonzern Schering-Plough verkauft.

Zugleich bekräftigte der Sprecher, Conergy werde seine bisher genannten Jahresziele erreichen. Das Unternehmen erwarte unverändert einen Umsatz von 1,25 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 60 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte der Umsatz 752,2 Millionen Euro betragen, der Jahresüberschuss wurde im Konzern mit 30,2 Millionen Euro ausgewiesen. Ende 2006 beschäftigte das Unternehmen 1480 Mitarbeiter, 965 davon in Deutschland.

Conergy kündigte zudem am Montag an, seinen Marktanteil im asiatisch-pazifischen Raum mit einem Windkraftpark in Australien kräftig ausbauen zu wollen. Der Konzern plant für umgerechnet 1,28 Milliarden Euro das bisher größte Windkraftprojekt des Landes. Der Bau der Anlage im Bundesstaat New South Wales solle 2009 beginnen und nach drei bis vier Jahren abgeschlossen sein, teilte die Conergy-Tochter Epuron mit. Mit einer Gesamtleistung von 1000 Megawatt solle die Anlage den Energiebedarf von 400 000 Haushalten decken. Das Epuron-Projekt wäre größer als alle derzeitigen Windfarmen in Australien zusammen. Damit könnten drei Millionen Tonnen C02-Emissionen eingespart werden.

Das Unternehmen verhandele bereits mit vier Landbesitzern in der Nähe von Broken Hill, sagte Epuron-Chef Andrew Durran. Das Gelände liegt rund 1170 Kilometer nordwestlich von Sydney und 500 Kilometer nordöstlich von Adelaide.

Ein Erfolg des Projekts hänge allerdings stark von Regierungsplänen zur Förderung erneuerbarer Energien ab, hieß es. Australien will bis zum Jahr 2020 seinen Energiebedarf zu 15 Prozent aus emissionsfreien Energiequellen decken. Bislang kommen 80 Prozent aus Kohlekraftwerken, der überwiegende Rest aus Wasserkraft.

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