Wirtschaft : Gegner der Bankenfusion werden lauter

Aufsichtsrat: Unicredito kommt bei Hypo-Vereinsbank nicht zum Zug / Erst wenige Aktien getauscht

Nicole Huss

München - Die geplante Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredito ist noch lange nicht sicher. Nach Angaben aus Bankenkreisen haben bis Ende dieser Woche erst zwei bis drei Prozent der HVB-Anteilseigner ihre Aktien in Unicredito-Papiere getauscht. Das Umtauschangebot läuft noch bis zum 10. Oktober, wobei die Frist noch einmal um zwei Wochen verlängert werden kann. Für eine Übernahme müssen mindestens 65 Prozent der Aktien getauscht werden.

Ein HVB-Sprecher sagte dem Tagesspiegel, es sei „ganz normal, dass institutionelle Anleger ihre Aktien erst im letzten Moment tauschen“. In HVB- Kreisen wird damit gerechnet, dass die Mindestannahmequote auf Anhieb erreicht wird. Unicredito-Chef Alessandro Profumo und HVB-Chef Dieter Rampel sehen „deutliche Signale von Investoren für eine breite Akzeptanz des Übernahmeangebots“.

Doch dieser Meinung sind nicht alle Beteiligten. So sagte ein HVB-Aufsichtsrat dem Wirtschaftsmagazin „Capital“, die für die Übernahme notwendigen 65 Prozent kämen voraussichtlich nicht zustande. Grund für die Zurückhaltung der Aktionäre sei ein Gutachten der Investmentbank Lehman Brothers, demzufolge sich die HVB zu billig hergebe. Die Gutachter hätten einen Tausch von eins zu 5,3 statt eins zu fünf für möglich gehalten.

Analyst Konrad Becker von Merck Finck sieht dagegen „keinen ernsthaften Grund, warum sich Investoren jetzt massenhaft weigern sollten, umzutauschen“. „Wenn am Markt große Unzufriedenheit herrschen würde, hätten wir schon seit Monaten eine anhaltende Diskussion über eine Unterbewertung“, sagte er. Zudem könne die HVB damit rechnen, dass der Großaktionär Münchener Rück seine Aktien tauschen wird. Der Rückversicherer leidet unter den Belastungen durch die Wirbelstürme in den USA und hat das Erreichen seines Gewinnziels mit dem Gelingen der Fusion von HVB und Unicredit verknüpft. Angemeldet hat der Konzern den Tausch aber noch nicht.

Auch HVB-intern blasen nun die Fusionsskeptiker noch einmal zum Angriff. „Die Kritiker wollen den Zusammenschluss torpedieren, es wird langsam unerträglich“, sagte Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi. Die Kampagnen schadeten der Belegschaft und verunsicherten die Kunden.

Zu den Gegnern der Fusion zählen unter anderem der HVB-Aufsichtsratsvorsitzende Albrecht Schmidt und der ehemalige Bank Austria-Chef Gerhard Randa. Der Gesamtbetriebsrat hat Schmidt in einem offenen Brief nun scharf angegriffen und ihn aufgefordert, sich zur eingeschlagenen Strategie der Bank zu bekennen. Anderenfalls solle er persönliche Konsequenzen ziehen.

Schmidt und Randa warnen davor, dass Unicredito die HVB im Falle einer Übernahme rasch zerschlagen könnte. Ähnlich hat sich auch der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) geäußert. Angesichts der vorliegenden Zahlen sollten sich Anleger sehr genau überlegen, ob sie ihre Aktien tauschen wollen, sagte er in der „Süddeutschen Zeitung“. Bankenkreise bezeichneten die Kritik des Ministers allerdings als „absurd“. Schließlich wolle die bayerische Staatsregierung selbst ihre HVB-Anteile tauschen.

Unterdessen haben Unicredito und die Bank Austria ihren Streit um das Osteuropageschäft beigelegt. Bei der Bank Austria soll es im nächsten Jahr eine milliardenschwere Kapitalerhöhung geben, mit der die Unicredito-Tochterbanken in Zentral- und Osteuropa gekauft und integriert werden sollen. Der Pakt gilt als Zugeständnis an die Bank Austria, die sich zunächst vehement gegen eine Eingliederung in den Unicredito-Konzern gewehrt hatte.

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