Gehälter-Diskussion : Was Manager verdienen

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking rechtfertigt sein Millionensalär. Post-Chef Klaus Zumwinkel gerät unterdessen in die Kritik, weil er Aktien für 4,7 Millionen Euro verkauft hat.

Henrik Mortsiefer,Nils-Viktor Sorge
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Was kostet die Welt? Post-Chef Zumwinkel hat gerade Kasse gemacht. -Foto: dpa

Berlin - Die Debatte um Managergehälter nimmt an Schärfe zu. Während Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sein zweistelliges Millionengehalt gegen Kritik verteidigte, gerät Post-Chef Klaus Zumwinkel wegen eines privaten Aktiengeschäfts in die Schusslinie. Zumwinkel hatte Aktien aus einem Aktienoptionsprogramm für 4,73 Millionen Euro verkauft – unmittelbar nach der Einigung der Großen Koalition auf einen Post- Mindestlohn. Aktionärsvertreter bezeichneten die öffentliche Debatte um Managergehälter als „puren Populismus“, der Zeitpunkt von Zumwinkels Aktiendeal sei allerdings „unglücklich“ gewählt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, sie wolle die Diskussion fortführen. Sie sagte, die Politiker müssten dafür Sorge tragen, „dass die Menschen in ihrer Mehrzahl diese Gesellschaft als gerecht empfinden“. Die Kanzlerin fügte hinzu: „Und ich bin der Meinung, wir brauchen deshalb eine Debatte über gerechte Bezahlung - und zwar nicht nur am unteren Ende der Lohnskala, sondern auch am oberen.“

„Wenn ich Erfolg habe, möchte ich auch gut bezahlt werden“, rechtfertigte sich Wiedeking. In der vergangenen Woche hatte Porsche mitgeteilt, dass die sechs Porsche-Vorstände im Geschäftsjahr 2006/07 zusammen über 112 Millionen Euro verdient hätten. Dabei sollen allein auf Wiedeking zwischen 50 und 60 Millionen Euro entfallen. Der Porsche-Chef erinnerte daran, dass Porsche in der Krise nur noch 300 Millionen Euro wert gewesen sei, nach 13 Jahren unter seiner Führung aber 25 Milliarden Euro. „Mein Vertrag ist festgeschrieben worden, als das Unternehmen gerade eine lebensbedrohliche Krise hinter sich hatte. Er wurde bis heute in seinen Grundzügen nicht mehr geändert“, sagte Wiedeking.

Er räumte ein, dass damals „mit der heutigen Ergebnisdimension“ niemand gerechnet habe. Aber „Belegschaft, die Führungskräfte und der Vorstand“ hätten hart dafür gearbeitet. Auch die Porsche-Mitarbeiter seien am Erfolg beteiligt: Laut Wiedeking bekommen sie zu ihren 13,7 Monatsgehältern einen Extrabonus von 5200 Euro dieses Jahr.

Anders als die Deutsche Post orientiert Porsche die erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile seiner Vorstände nicht am Aktienkurs, sondern am Gewinn. „Aktienoptionsprogramme gibt es bei uns ganz bewusst nicht“, sagte ein Porsche-Sprecher. „Herr Wiedeking hält keine Porsche-Aktien.“ Die Post hatte am Dienstag mitgeteilt, Vorstandschef Klaus Zumwinkel habe am Montag 200 640 Aktien für 4,73 Millionen Euro verkauft, die er über Aktienoptionen aus dem Unternehmen erhielt. Der Aktienkurs der Post war nach dem Beschluss der Koalition zu Mindestlöhnen am Donnerstag deutlich gestiegen und hatte den höchsten Kurs seit Juli erreicht. Ein Sprecher der Post nannte den Verkauf eine „Privatsache“ Zumwinkels und sprach angesichts der Kritik von Oppositionspolitikern in der „Bild“-Zeitung von einer Kampagne des Axel-Springer-Verlags, zu dem „Bild“ und der Post-Konkurrent Pin gehören.

Juristisch zu beanstanden ist Zumwinkels Aktiendeal kaum. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) werde den Fall nicht untersuchen, sagte eine Sprecherin der Behörde dem Tagesspiegel. Sie sehe keine Anhaltspunkte für ein Insidergeschäft, bei dem Informationen nur für den Post- Chef verfügbar gewesen seien. „Die Auseinandersetzung um den Mindestlohn ist öffentlich geführt worden. Herr Zumwinkel hat ja schließlich nicht selbst entschieden, dass der Mindestlohn kommt“, sagte sie.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte den Zeitpunkt des Aktienverkaufs. „Das ist kein gutes Signal für den Markt und die Öffentlichkeit“, sagte ein DSW-Sprecher dieser Zeitung. Über Zumwinkels Motive solle man aber nicht spekulieren. Auch habe sich der Post-Chef nicht bereichert. „Er hat das Geld nicht zusätzlich bekommen, sondern nur aus einem Kursgewinn Bargeld gemacht“, sagte der Sprecher.

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