Gehälter : Manager bekommen 7,7 Prozent mehr Lohn

Viele Firmen berichten über die Bezahlung ihrer Vorstände – und verschweigen Zusatzleistungen, kritisieren Aktionärsschützer.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Deutsche Konzerne berichten zwar auch aufgrund entsprechender Gesetze offener als früher über die Bezüge ihres Top-Managements. Doch volle Transparenz gibt es nach Ansicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) immer noch nicht. „Ein blinder Fleck sind nach wie vor die Pensionszusagen an die Vorstände“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker am Donnerstag in Frankfurt am Main. Auch die Bestimmung von Vergütungen, die sich auf den Aktienkurs stützen, ist laut Gunther Friedl, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der TU München, weiterhin schwierig. Manche Firmen würden den Wert zum Zeitpunkt der Gewährung angeben, andere zum Zeitpunkt der Ausübung.

Allein bezogen auf das tatsächlich geflossene Geld bleibt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit rund 9,4 Millionen Euro für 2006 der Spitzenverdiener vor Linde-Chef Wolfgang Reitzle mit 5,9 Millionen und Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Zetsche mit 4,5 Millionen Euro. Rechnet man die 2006 gewährten Aktien-Optionen dazu, ergeben sich jedoch Verschiebungen. Ackermann erhielt dadurch wertmäßig weitere 3,8 Millionen Euro, womit sich seine Bezüge auf 13,2 Millionen Euro erhöhen. SAP-Vorstandschef Henning Kagermann konnte sich dem Wert nach sogar über 5,6 Millionen Euro freuen, womit er bei insgesamt neun Millionen Euro Jahresverdienst hinter Ackermann im vergangenen Jahr der am zweitbesten bezahlte Vorstandschef war – obwohl Kagermanns Barvergütung um 28 Prozent auf 3,4 Millionen Euro geschrumpft war.

Erkenntnisse über das tatsächlich geflossene Geld an die Top-Manager könnten nach Ansicht von Hocker nur die Kontoauszüge der Manager geben. Die Transparenz der Gesamtzahlungen lasse noch erheblich zu wünschen übrig. Bei der DSW bezweifelt man sogar, dass alle Aufsichtsräte, die letztlich die Vorstandsverträge und damit auch die Zahlungen absegnen, wirklich durchblicken. Absolut ärgerlich ist in den Augen von Hocker und Friedl, dass die Angaben der Unternehmen zu Top-Managern zugesagten Übergangsgeldern und Pensionen teilweise äußerst dürftig sind. „Manche Unternehmen äußern sich dazu gar nicht. Dies macht es im Einzelfall unmöglich, den Wert der Gesamtvergütung für die Vorstandsmitglieder zu bestimmen“, sagt Friedl. Im Prinzip müssten solche geplanten Zahlungen mit der Unterschrift unter den Vertrag offen gelegt werden, damit klar werde wie hoch die finanziellen Verpflichtungen für ein Unternehmen seien. Darüber, dass der freiwillig aus dem Amt scheidende EnBW-Chef Utz Classen für 19 Jahre angeblich eine Pensionszahlung von 400 000 Euro jährlich und somit ein Übergangsgeld von 7,6 Millionen Euro erhalten soll, schüttelt DSW-Vertreter Hocker nur den Kopf.

Die Unsicherheit bei der Vergütung zeigt eine aktuelle Erhebung der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung. Dort ist der scheidende RWE-Chef Harry Roels Spitzenreiter bei den Dax-Vorstandsvorsitzenden mit Bezügen von 16,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Insgesamt sind – laut DSW – die tatsächlich geflossenen Bezüge bestehend aus Festgehalt und Tantiemen für die Vorstandsmitglieder der 30 im deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne 2006 im Schnitt um 7,7 Prozent auf 1,9 Millionen Euro gestiegen, wobei die Deutsche Bank mit 3,7 Millionen Euro vor der Metro mit 2,6 Millionen Euro an der Spitze liegt. Beim Handelskonzern schnellten die Bezüge nach Angaben der DSW um 60 Prozent nach oben, obwohl der Gewinn je Aktie nur um sieben Prozent kletterte. Das größte Minus mussten die Vorstände von Daimler-Chrysler mit rund 47 Prozent auf nur noch 1,58 Millionen Euro verkraften – obwohl das Ergebnis je Aktie im gleichen Zeitraum um 13 Prozent nach oben ging. Bei SAP sanken die Vorstandsbezüge im Schnitt um 32 Prozent, das Ergebnis je Aktie war um 26 Prozent höher. Über steigende Gehälter trotz eines schlechteren Ergebnisses ihres Unternehmens konnten sich auch die Vorstände der Deutschen Post, der Telekom und von Infineon freuen.

Auch für Ex-Top-Manager können sich Aktienoptionen nach Angaben der DSW im Übrigen noch auszahlen. Für den früheren Daimler-Chef Jürgen Schrempp dürfe sich mittlerweile zumindest auf dem Papier der Gewinn aus seinen Optionen auf mehr als 50 Millionen Euro belaufen, sagt Hocker. Rolf Obertreis

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