Gehälter : Volle Taschen in den oberen Etagen

Die Gehälter der Dax-Vorstände steigen wieder auf das Niveau vor der Krise. Volkswagen-Chef Winterkorn kommt Deutsche-Bank-Chef Ackermann mittlerweile sehr nahe. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert Boni für Bankvorstände.

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Bequeme Position. VW-Chef Martin Winterkorn verdiente im vergangenen Jahr 9,3 Millionen Euro und gehört damit zu den Spitzenverdienern unter den Dax-Vorständen. Foto: dpa
Bequeme Position. VW-Chef Martin Winterkorn verdiente im vergangenen Jahr 9,3 Millionen Euro und gehört damit zu den...Foto: dpa

Noch ist er der am besten verdienende Manager in Deutschland: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kam 2009 auf 9,5 Millionen Euro. Am Dienstag wird die Deutsche Bank ihren Geschäftsbericht für 2010 vorlegen – dann wird sich zeigen, ob Ackermann seinen Spitzenplatz unter den deutschen DaxTopmanagern halten kann.

Auch den anderen Konzernlenkern ist es gut ergangen im vergangenen Jahr. „2010 sind die Vorstandsgehälter im Schnitt um zehn bis 15 Prozent gestiegen“, sagt Ralph Lange, Experte für Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung bei Towers Watson in Frankfurt. Die Beratungsgesellschaft untersucht jedes Jahr die Gehälter der Vorstände der 30 größten deutschen Unternehmen. Allerdings gibt es noch kein abschließendes Ergebnis für 2010, da noch nicht alle Dax-Konzerne ihre Bücher geöffnet haben. „Nach dem Einbruch in der Krise um 20 Prozent sind wir bei den Vorstandgehältern wieder auf Vorkrisenniveau“, sagt Lange. Bereits 2009 waren die Bezüge wieder um rund zehn Prozent geklettert.

Einige Schwergewichte wie Siemens, Volkswagen und Daimler haben die Bezüge ihrer Bosse schon bekannt gegeben. So verdiente Volkswagen-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr 9,3 Millionen Euro und kommt damit Ackermann sehr nahe. Siemens-Chef Peter Löscher erhielt ebenfalls knapp neun Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es noch 7,1 Millionen. Daimler-Chef Dieter Zetsche konnte seine Bezüge sogar mehr als verdoppeln auf 8,7 Millionen Euro.

Die Vorstandgehälter setzen sich aus dem Grundgehalt und den erfolgsabhängigen Boni zusammen. 2009 machte die Grundvergütung bei den 30 Dax-Konzernen ein knappes Drittel des Gehalts aus. Die Boni sind entweder kurz- oder langfristig angelegt. Manche, etwa der Jahresbonus, werden den Managern sofort ausgezahlt. Bei den langfristigen Boni bekommen die Konzernchefs häufig kein Geld, sondern Aktienoptionen des eigenen Unternehmens.

Erhöht haben sich im vergangenen Jahr meist nur die Boni. „Durch den Aufschwung hat sich die Performance der Unternehmen verbessert, die erfolgsabhängigen Boni sind deshalb deutlich gestiegen“, sagt Lange. Der Erfolg wird etwa an der Aktionärsrendite, am Gewinn pro Aktie oder an anderen Unternehmenskennzahlen festgemacht.

Im Jahr 2009 mussten die deutschen Unternehmen ihre Vergütungssysteme umstellen. Das „Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung“ trat in Kraft, das dafür sorgen soll, dass das langfristige Wohlergehen des Unternehmens stärker belohnt wird als kurzfristige Gewinne. Dafür wurde etwa festgelegt, dass Vorstände Aktienoptionen frühestens nach vier Jahren einlösen können. Auch führte das Gesetz eine Selbstbeteiligung für Managerversicherungen ein, ähnlich dem Selbstbehalt bei einer Autoversicherung. Auch wurde der Aufsichtsrat gestärkt, der nun das Vergütungsystem absegnen muss und einen Bonus als unangemessen zurückweisen kann.

„Das Gesetz hat zu deutlichen Veränderungen in den Vergütungsregelungen geführt, besonders bei den Boni“, sagt Lange. So sei die Hälfte der variablen Vergütungen mittlerweile langfristig und könnte bei Misserfolg verringert werden oder entfallen. „Das Gesetz ist eine Verbesserung, weil es bei der Vergütung mehr berücksichtigt als den kurzfristigen Aktienkurs und weil es die Transparenz erhöht“, sagt Christoph Schmitz, Sprecher der Gewerkschaft Verdi. Er übt dennoch Kritik: „Es gibt noch bei einzelnen Konzernen Anpassungsbedarf bei der Orientierung der Vergütung am langfristigen Erfolg.“

Eines der ersten Unternehmen, das die neuen Regelungen umsetzte, war BASF. Zwar gelten sie nur für Verträge, die nach Inkrafttreten 2009 geschlossen wurden, allerdings schaffte BASF es schon im vergangenen Jahr, die neuen Regeln auf alle Vorstände anzuwenden.

Ein Sonderfall unter den Topmanagern ist Commerzbank-Chef Martin Blessing. Weil die Bank zum Teil in Staatshand ist und in der Krise gerettet werden musste, ist das Grundgehalt des Chefs auf 500 000 Euro gedeckelt. Erst wenn die Bank dem Staat die Hilfen zurückzahlt, darf es steigen. Boni sind nicht erlaubt. Ihren Mitarbeitern unterhalb der Vorstandsebene zahlte die Bank aber 2010 Millionenboni.

Verdi kritisiert, dass in den Banken überhaupt Boni gezahlt werden. „Es ist für normale Beschäftigte schwer vermittelbar, weil die Allgemeinheit zur Rettung der Banken beigetragen hat“, sagt Verdi-Sprecher Schmitz. Nun werde das Vorkrisen-Geschäftsmodell mit Boni belohnt. Generell verteufeln will Schmitz Boni aber nicht. „Wenn die Kriterien stimmen, sind Boni gerechtfertigt, aber es lohnt sich, genauer hinzugucken.“

Tatsächlich liegen die Vergütungen der deutschen Bosse im internationalen Vergleich eher im niedrigen Bereich. In Amerika etwa sind die Gehälter der Vorstände deutlich höher, 2009 lagen sie im Schnitt bei rund 13 Millionen Dollar. Das Grundgehalt ist vergleichbar mit europäischen Werten, die langfristigen Boni sind aber deutlich höher. Und die Amerikaner scheinen sich kaum daran zu stören. „Exzesse führen auch in den USA zu Verärgerung, aber die Toleranz ist dort deutlich höher als in Deutschland. In Amerika wird Erfolg stärker gegönnt“, sagt Lange.

Und die Aktionäre? Seit dem neuen Gesetz darf die Hauptversammlung über das Vergütungsystem entscheiden. Selten gibt es aber Protest. „Solange die Rendite stimmt, sind Aktionäre auch mit höherer Vergütung aus variablen Komponenten einverstanden“, sagt Lange. Wenn die Gewinne stiegen, spreche nichts gegen höhere Boni, sagt auch Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Allerdings müssen wir auch sichergehen, dass in Krisen die Boni entsprechend sinken.“ In der Finanzkrise sei das nicht so gewesen.

Nicht mehr als in der Krise hat 2010 die US-Finanzlegende Warren Buffett verdient. Er verzichtete erneut auf eine Gehaltserhöhung. Seit 30 Jahren bekommt Buffett 100 000 Dollar Grundgehalt. Bescheidenheit auf hohem Niveau: Buffetts Privatvermögen wird auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.

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