Gehaltsschere : Männer verdienen vier Euro mehr

Frauen verdienen weniger, denn sie arbeiten in schlechter bezahlten Berufen. Die Lohnunterschiede nehmen mit dem Alter zu.

Frederic Spohr

BerlinFrauen verdienen durchschnittlich etwa ein Viertel weniger als Männer. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes bekamen sie im Jahr 2006 durchschnittlich 14,05 Euro brutto pro Stunde. Männern bezahlten die Arbeitgeber 18,36 Euro. „Das bedeutet aber nicht, dass Frauen im gleichen Betrieb für dieselbe Arbeit vier Euro weniger verdienen“, sagt Studienautor Ralf Droßard. Vielmehr wählten Frauen Berufe, in denen generell weniger Gehalt gezahlt wird. So sind Jobs wie Reinigungskraft oder Friseurin immer noch klassische Frauenberufe. Männer dagegen entscheiden sich für deutlich besser bezahlte Berufe wie beispielsweise in technischen Bereichen.

Die Studie hat auch Gehaltsunterschiede in verschieden Branchen ermittelt. Bei unternehmensnahen Dienstleistungen ist die Differenz mit 30 Prozent besonders hoch, im Bergbau beträgt sie dagegen nur fünf Prozent. Im Bergbau ist der Unterschied so gering, weil sich die Frauen hier für ähnlich gut bezahlte Berufe wie die Männer entschieden haben. Der Studie zufolge haben Frauen allerdings einen großen Nachteil: „Durch Schwangerschaft und die anschließende häufige Teilzeit verpassen die Frauen den Anschluss an die Gehaltsentwicklung der Männer“, sagt Droßard. Deswegen gehe die Schere zwischen Männer- und Frauengehältern mit zunehmendem Alter immer weiter auseinander. Bei Berufsanfängern sind die Unterschiede noch sehr gering. Die 35- bis 39-jährigen Frauen verdienen dagegen schon ein Fünftel weniger als gleichaltrige Männer.

Die Studie zeigt auch, dass trotz gleicher Qualifikationen weniger Frauen Führungspositionen erreichen. 71 Prozent der leitenden Angestellten waren 2006 Männer. Für Matthias Lindner, Bereichsleiter Gender-Politik bei der Gewerkschaft Verdi, ist das der Beweis für eine von Männern dominierte Geschäftswelt: „Männer bilden Seilschaften. Da haben Frauen keine Chance in die Führungsetagen zu gelangen.“ Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände sieht andere Gründe: So würden Frauen davor zurückschrecken, weite Wege zu einem besseren Arbeitsplatz zu fahren.

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