Geht der Kita-Streik in die nächste Runde? : Eltern müssen wieder zittern

Verdi rechnet mit neuer Streikrunde für Erzieher. Gewerkschaftschef Frank Bsirske warnt vor einer "massiven Eskalation des Konflikts".

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Der Kita-Streik könnte in die nächste Runde gehen.
Der Kita-Streik könnte in die nächste Runde gehen.Foto: dpa

Die Eltern hierzulande müssen sich auf neue Streiks in den Kitas einstellen. „Das wird eine massive Eskalation des Konflikts werden – mit hohen Belastungen für Eltern, Arbeitgeber und die Streikenden“, kündigte Verdi-Chef Frank Bsirske am Montag in Leipzig an. Am nächsten Montag, unmittelbar nach Ende des Verdi-Bundeskongresses, wird wieder mit den kommunalen Arbeitgebern über Geld verhandelt.

Der Konflikt um die Kitas reicht bis zum Jahresanfang zurück. Verdi und die beteiligten Gewerkschaften des Beamtenbundes und der GEW hatten eine Aufwertung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst gefordert. Eine durchschnittliche Gehaltserhöhung um zehn Prozent sollte die gestiegene Wertschätzung nach Meinung der Gewerkschaften auch finanziell dokumentieren. Doch das ist nicht geschehen.

Die Mehrzahl der Mitglieder hat den Schlichterspruch abgelehnt

Nachdem ein vierwöchiger Streik ergebnislos geblieben war, kam es zur Schlichtung – mit einer Empfehlung von durchschnittlich 4,5 Prozent mehr Geld. Bsirske war zwar für den Schlichterspruch, die Mehrzahl der Mitglieder aber nicht. Der Verdi-Chef musste sich der eigenen Basis beugen, die mehr wollte. Die Arbeitgeber wiederum berufen sich bis heute auf den Schlichterspruch und wollen nicht mehr zahlen, sodass ein erneuter Arbeitskampf wahrscheinlich ist. Wenn es am kommenden Montag doch noch zu einer Lösung kommen sollte, dann vermutlich nur durch eine Umschichtung von oben nach unten: Die Kitaleitungen, die überproportional vom Schlichterspruch profitieren würden, könnten zugunsten der „normalen“ Erzieherinnen etwas abgeben müssen.

Immerhin hat der Kitakonflikt Verdi 27 000 neue Mitglieder gebracht. Und zumindest für ein Jahr bleiben die meisten der Gewerkschaft treu, denn wer einmal Streikgeld von der Gewerkschaft kassiert hat, muss mindestens ein Jahr Verdi-Mitglied bleiben. „Nach 2013 steuern wir in diesem Jahr erneut auf ein Mitgliederplus zu“, sagte Bsirske. Im ersten Halbjahr habe es 82 000 Eintritte und 66 000 Austritte gegeben. Seit der Gründung der Dienstleistungsgewerkschaft 2001 ist Verdi um rund 800 000 auf gut zwei Millionen Mitglieder geschrumpft. Auffällig ist derzeit nach Angaben von Bsirske, dass viele junge Mitglieder bereits nach wenigen Jahren wieder austreten. Die Gewerkschaftsführung will dem mit einem „stark beteiligungsorientierten Organisationsentwicklungsprozess“ begegnen.

Bsirske wird am Dienstag zum fünften Mal an die Spitze der Gewerkschaft gewählt. Der 63-Jährige ist unumstritten, trotz des „streikintensivsten Jahres in der Verdi-Geschichte“ mit 1,5 Millionen Streiktagen im ersten Halbjahr und Kosten von mehr als 100 Millionen Euro. „Wenn die Arbeitgeber nicht aus der Tarifbindung fliehen würden, gäbe es diese Häufung an Streiks nicht“, sagte er vor den rund 1000 Delegierten. Diese versammeln sich alle vier Jahre zum Bundeskongress. Dort geht es bis zum Wochenende um Wahlen und mehr als 400 Anträge zu arbeits- und sozialpolitischen Themen.

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