Geht TTIP zu Lasten der Dritten Welt? : Fairer Handel gegen freien Handel

Das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA könnte Entwicklungsländern schaden, warnt die Fair-Trade-Bewegung. Gegen US-Waren hätten viele Produkte keine Chance.

Vinzenz Greiner
Viele Entwicklungsländer können Agrarprodukte zollfrei in die EU exportieren. Käme das TTIP-Abkommen, würde dieser Vorteil gegenüber US-Produkten verpuffen.
Viele Entwicklungsländer können Agrarprodukte zollfrei in die EU exportieren. Käme das TTIP-Abkommen, würde dieser Vorteil...Foto: dpa

Berlin - Die EU und die USA befinden sich weiterhin in Verhandlungen zum „Generalangriff auf den Multilateralismus“ – so nennt Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP. Sie soll nach dem Willen der Verhandler Handelshemmnisse wie Unterschiede bei technischen Standards und vor allem Zölle beseitigen.

Mit TTIP könnten Export-Vorteile der Entwicklungsländer verpuffen

Für Entwicklungsländer, die derzeit im Rahmen des sogenannten Generalised Scheme of Preferences (GSP) Zollvergünstigungen oder gar -freiheit genießen, wenn sie in die EU exportieren, stellt das laut Maier ein Problem dar. Könnten nun die USA dank des Freihandelsabkommens ihre stark subventionierten Agrarprodukte wie Baumwolle zollfrei auf den europäischen Markt bringen, würde der GSP-Vorteil verpuffen.

„Damit werden die Handelsströme von den Entwicklungsländern weggelenkt“, sagte Maier am Dienstag auf der Jahreskonferenz des Forums Fairer Handel. Die EU-Kommission glaubt dagegen, dass mit dem freien Handel auch die Nachfrage in den USA und der EU nach Rohmaterialien und Komponenten aus Drittländern steigen könnte. Das Bundeswirtschaftsministerium schreibt gar in einem Papier zum TTIP, die weltweite Wohlfahrt könne um 3,3 Prozent steigen.

Die Deutschen kaufen mehr Fair-Trade-Produkte

Das Ministerium gibt aber zu bedenken, der Handel mit Ländern wie Chile, Mexiko oder den nordafrikanischen Staaten würde „tendenziell zugunsten der USA bzw. der EU umgelenkt“. Die liberale Bertelsmann-Stiftung errechnete dagegen einen Rückgang des realen Pro-Kopf-Einkommens in Nicht-EU-Ländern im einstelligen Prozentbereich aus. Die globalisierungskritische Austrian Foundation for Development Research geht von einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts in einkommensschwachen Ländern von bis zu 1,4 Prozent aus.

Genau das befürchtet auch Manuel Blendin, Geschäftsführer vom Forum Fairer Handel. TTIP konterkariere die durch fairen Handel erreichten Fortschritte. Der Gesamtabsatz fair gehandelter Ware in Deutschland hat sich in den letzten sieben Jahren fast verfünffacht. Im vergangenen Jahr gaben die Deutschen 784 Millionen Euro aus. Den steigenden Absatz erklärt sich Blendin damit, dass sich viele Menschen mehr Gedanken über die Auswirkungen ihres Konsums machten.