Wirtschaft : Gelbe Gefahr

ADAC und Deutsche Post wollen gemeinsam in den Fernbus-Markt einsteigen und den Zügen Fahrgäste abjagen.

von
Reisen mit Chauffeur. Die Bahn ist mit dem Unternehmen Berlin-Linienbus derzeit noch der Marktführer in Deutschland. Nach der Liberalisierung hoffen viele Firmen auf Kunden, denen der Zug und das Auto zu teuer sind. Foto: pa-dpa
Reisen mit Chauffeur. Die Bahn ist mit dem Unternehmen Berlin-Linienbus derzeit noch der Marktführer in Deutschland. Nach der...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Die Deutsche Post und der Automobilklub ADAC wollen im großen Stil gemeinsam Fernbusse betreiben. Man arbeite an einem bundesweiten Netz, das die wichtigsten deutschen Großstädte miteinander verbinden und 2014 an den Start gehen soll, teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Dabei gehe es nicht nur um Strecken zwischen den Metropolen Berlin, Hamburg und München, sondern auch zwischen mittelgroßen Städten ab 150 000 Einwohner aufwärts, erklärten Sprecher beider Firmen. Das bedeutet für die Deutsche Bahn noch schärfere Konkurrenz im Personenverkehr.

Details zu Angeboten und Fahrpreisen wollten Post und ADAC aber noch nicht nennen. „Schnell“ und „hochwertig“ sollten die Busse sein, hieß es lediglich, und natürlich eine Alternative zu Eisenbahn und Auto. Man kenne sich in den Bereichen Transport und Fuhrparkmanagement aus, das seien „beste Voraussetzungen, um im Fernbusmarkt erfolgreich zu sein“, sagte Jürgen Gerdes, Briefvorstand der Post-Sparte DHL. ADAC-Chef Karl Obermaier sprach von „riesigen Chancen und Perspektiven“. Post und ADAC verfügten über ein dichtes Netz an Filialen und Geschäftsstellen, in denen Kunden Tickets kaufen können. Die Gremien beider Firmen müssen dem Vorhaben noch zustimmen. „Wir ergänzen uns hervorragend“, befanden allerdings beide Seiten.

Damit könnte der Postbus wieder eingeführt werden, der jahrzehntelang hierzulande eine wichtige Rolle spielte. Zeitweise war die Sparte, genannt Kraftpost, größter Omnibusbetreiber Europas und transportierte gleichermaßen Passagiere wie Fracht. Der Niedergang begann Ende der fünfziger Jahre im Zuge der Massenmotorisierung. In den Siebzigern wurde die Sparte mit der Bahn verschmolzen.

ADAC und Post sind nicht die ersten, die große Pläne mit Fernbussen haben. Der Markt wird Anfang 2013 fast vollständig liberalisiert. Bisher untersagte ein Gesetz aus den Dreißigerjahren den Busbetrieb auf Fernverbindungen parallel zu einer Bahnstrecke. Die Ausnahme waren angesichts der deutschen Teilung Fahrten von und nach Berlin. Das britische Transportunternehmen National Express plant ebenso neue Linien wie die Deutsche Touring oder die Gesellschaft Flixbus. In Süddeutschland ist bereits das Unternehmen Meinfernbus.de an den Start gegangen. Aber auch Mittelständler machen sich Gedanken, bis zu 100 Unternehmen prüfen dem Branchenverband BDO zufolge derzeit einen Einstieg in den Markt. Der Branchenprimus Deutsche Bahn will seinen Betrieb dagegen vorerst nicht ausweiten. Die Bahn betreibt rund 30 Fernlinien unter der Marke Berlin-Linienbus und hat sich vorgenommen, erst einmal den Markt zu beobachten. Insgesamt besitzt der Staatskonzern 14 000 Busse, die vor allem im Regionalverkehr fahren.

ADAC und Post halten sich für starke Marken in den Bereichen Transport und Mobilität. Wer welche Aufgaben übernimmt und welche Investitionen Post und ADAC planen, wollten Sprecher nicht sagen. Man plane eine Mischform aus eigenen und von anderen Unternehmen gecharterten Bussen. Die Größenverhältnisse zwischen den Partner sind sehr ungleich – die Post beschäftigt weltweit an die 470 000 Menschen, der ADAC rund 8400.

Der ADAC ist gleichwohl längst mehr als ein Automobilklub. Er zählt nicht nur rund 17 Millionen Mitglieder und rangiert damit hinter dem US-Autoverein AAA auf Rang zwei. Der Klub, ein eingetragener Verein, unterhält auch ein weit verzweigtes Firmenimperium, das eine Fülle von Dienstleistungen anbietet, von der Autovermietung über Pannendienst, Reisen, Versicherungen, Kreditkarten bis zur Luftrettung. Diese Geschäfte, der Verein und die 18 Regionalclubs kamen 2010 auf einen Überschuss von zusammen mehr als 160 Millionen Euro. Das Geld werde aber nicht an die Mitglieder ausgeschüttet; man investiere es wieder in das Unternehmen, sagte ein Sprecher. Daneben gilt der ADAC als eine der mächtigsten Lobbygruppen im Land. Als solche hatte er auch dafür gekämpft, das Verbot von Fernbussen aufzuheben – nun macht er ein Geschäft daraus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben