Wirtschaft : Gelbe Seiten ungeschützt

Das Markenamt hat die Telekom-Marke aus dem Register gelöscht. Andere wollen mit dem Namen werben

Corinna Visser

Berlin – Die Deutsche Telekom ist bekannt dafür, dass sie ihren Namen, ihre Marken und ihre Farbe mit allen juristischen Mitteln verteidigt. Jetzt hat sie wieder einmal einen Streit verloren: GoYellow-Chef Klaus Harisch, der im Internet eine Branchenauskunft betreibt, hatte beim Patent- und Markenamt in München die Löschung der Marke „Gelbe Seiten“ beantragt. Nach zwei Jahren hat das Amt die Marken „Gelbe Seiten“ und „Yellow Pages“ nun aus seinem Register gelöscht. Die Telekom will diese Entscheidung nicht akzeptieren und vor das Bundespatentgericht ziehen. Denn es geht um einen lukrativen Markt.

Das Markenamt begründete die Entscheidung damit, dass der Begriff Gelbe Seiten beim Verbraucher im Prinzip zu einem Synonym für Branchenverzeichnisse geworden sei, so dass auch andere Unternehmen diesen Namen benutzen dürfen. Zuletzt hatte das Amt auch die Begriffe Lotto und Post löschen lassen. Die Löschung der Marke Gelbe Seiten wird jedoch erst rechtskräftig, wenn das Bundespatentgericht das auch so sieht. So lange bleibt die Marke geschützt.

Klaus Harisch hat bis zu dieser Entscheidung schon vier Millionen Euro für die rund 40 Verfahren ausgegeben, die er in den vergangenen zwei Jahren mit der Telekom geführt hat. „Die Auseinandersetzungen mit der Telekom sind auf die Dauer sehr teuer“, sagte Harisch dem Tagesspiegel. Er beschäftige drei externe Anwaltskanzleien damit. „Vieles von dem erledigt sich, wenn der Name Gelbe Seiten nicht mehr geschützt ist.“ So hatte die Telekom ihm unter anderem untersagt, für seine Branchenauskunft mit den Sprüchen, „die neuen Gelben Seiten“, „die modernen Gelben Seiten“ oder „die neuen gelben Zeiten“ zu werben. Der Aktienkurs der GoYellow AG legte am Montag zeitweise um 27 Prozent zu.

„Für die Deutsche Telekom ist das ein schwerer Verlust, da die Bezeichnung sehr eingeführt ist“, sagt Christopher Scholz, Geschäftsführer beim Markenverband. „Wenn jeder Hinz und Kunz sein Produkt als Gelbe Seiten anbieten darf, verliert die Telekom ein wichtiges Kommunikationsmonopol.“ In Geld beziffern könne man den Verlust nur schwer. Oftmals lasse er sich später aber am Verlust von Marktanteilen ablesen.

Die Gelben Seiten sind ein lukratives Geschäft. Die Telekom-Tochter DeTeMedien kauft die rund 30 Millionen Datensätze von der Telekom und vermarktet sie – allerdings gemeinsam mit 16 Verlagen, die sich das Bundesgebiet untereinander aufgeteilt haben. 2005 überwies DeTeMedien der Telekom AG einen Gewinn von 114 Millionen Euro – bei einem geschätzten Umsatz von rund 350 Millionen Euro. Vor einigen Jahren stand DeTeMedien einmal zum Verkauf, doch die Telekom bekam die gewünschte Milliarde nicht. Konkurrent France Télécom verhandelt gerade mit der US-Beteiligungsgesellschaft KKR, die die französischen Gelben Seiten für 3,3 Milliarden Euro erwerben will. Doch so viel sei das deutsche Pendant nicht wert, sagen Insider. Das liege daran, dass die Vermarktung regional über die Verlage laufe.

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