Wirtschaft : Geld ausgeben, Haus vererben

22 Prozent der Erbschaften liegen über 100 000 Euro.

Berlin - Die Erbengeneration wird in den kommenden Jahrzehnten über ein Vermögen in historischer Höhe verfügen. Denn mehr als jede fünfte Erbschaft (22 Prozent) in Deutschland wird einen Wert von mehr als 100 000 Euro haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Allensbach- Studie im Auftrag der Postbank, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Eine Ursache für den deutlichen Wertzuwachs der Erbschaften liegt am steigenden Immobilienanteil. „Die Wahrscheinlichkeit, ein Eigenheim zu erben, wird sich glatt verdoppeln“, heißt es in der Studie. In zwei von drei Erbfällen würden bei künftigen Erbschaften Haus- und Grundbesitz (selbst genutzte oder vermietete Immobilien) übergeben.

„Was aktuell und zukünftig in Deutschland an Vermögenswerten vererbt wird, hat es in dieser Dimension bisher nicht gegeben“, sagte Postbank-Privatkundenvorstand Michael Meyer. Die Bank spricht von einer „Erbschaftswelle“ in Deutschland, die historische Ausmaße annehme. Auf „bare Münze“ setzen die Erblasser von morgen dabei weniger oft als auf Immobilien. Auch Schmuck, Autos und Möbel spielen gemessen an Wohungen und Häusern eine geringere Rolle. Immobilienbesitz scheine „ein starker Auslöser“ zu sein, „sich mit dem Vererben auseinanderzusetzen“, interpretierte Meyer.

Hauptgrund für die neue Lust am vererbten Eigenheim sei vor allem die demografische Entwicklung. So sei seit dem Jahr 2000 nicht nur die Zahl der über 80-Jährigen um zwei Drittel gestiegen. Auch das Immobilienvermögen der Deutschen im Rentenalter werde sich in den kommenden 18 Jahren auf 3179 Milliarden Euro verdoppeln.

Als weiteren Grund glauben die Meinungsforscher eine Einstellungsänderung zu erkennen: „Das Geld gebe ich zu Lebzeiten noch selber aus, aber das Eigenheim vererb ich“, sagte Meyer. Laut Jochen Hansen, Projektleiter beim Allensbach-Institut, wird Bar- und Anlagevermögen zunehmend als „Manövriermasse“ gesehen, um zum Beispiel höheren Kosten für Krankheit im Alter vorzubeugen.

Die Schattenseite des neuen Erbenglücks: Mit der Höhe der Erbschaft steigt statistisch gesehen auch die Wahrscheinlichkeit für Streit unter den Erben. Darauf seien die Nachlassgeber meist „nicht eingestellt“, sagte Meyer. „Ihr Wissen zum Thema ist lückenhaft.“ Außerdem verfüge nicht einmal jeder fünfte Deutsche überhaupt über ein Testament. „Die anstehende Vererber-Generation unterschätzt das Konfliktpotenzial unter den Erben deutlich“, sagte Meyer. mot/dapd

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