Wirtschaft : Geld fürs Stillhalten

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Von Bernd Hops

Die Verhandlungen um das Überleben des Mobilfunkbetreibers Mobilcom geht in die entscheidende Runde. Die Diskussion um staatlich gestützte Kredite ist längst ausgestanden. Hier ist ohnehin nicht mehr viel zu erwarten, denn für diese Finanzspritzen fehlen einfach die Sicherheiten. Nein, die wirkliche Lösung kann nur zwischen Mobilcom und seinem NochGroßaktionär France Télécom gefunden werden.

Dass Mobilcom den Netzaufbau für den neuen Mobilfunkstandard UMTS auf Eis legt, ist beschlossen. Doch das kostet Geld. Geld, das Mobilcom nicht hat. 485 Millionen Euro sollen es sein, die das Unternehmen zum Stillhalten braucht. Eine hohe Summe, doch der Netzaufbau wäre noch teurer. Langfristig hat Mobilcom nur eine Chance, wieder auf die Beine zu kommen, wenn es sich auf das konzentriert, womit es angefangen hat. Auf den Vertrieb von Standard-Mobilfunkverträgen zum Beispiel – also aufs Geld verdienen. Zukunftsmärkte wie UMTS werden sich nur große Konzerne wie Vodafone oder die Deutsche Telekom leisten können.

Am Ende des Verhandlungspokers werden die Franzosen in den sauren Apfel beißen. Die Übernahme der Schulden hatten sie bis zuletzt dementiert – und halten doch den Vorschlag aufrecht, fällige Forderungen von Banken und Mobilcom-Lieferanten in Schuldtitel von France Télécom zu tauschen. France Télécom hat nichts davon, wenn Mobilcom pleite ginge. Denn die Milliardenschulden ihrer deutschen Beteiligung werden sie damit nicht los. Die Franzosen haben dafür gebürgt. Auch ihr Aktienpaket von 28,5 Prozent an Mobilcom können sie nicht aufgeben, wer wollte das heute kaufen? So bleibt dem französischen Telekomkonzern keine Wahl als seinen Beitrag zur Sanierung zu leisten, wenn er von seinen Milliardeninvestitionen in Deutschland überhaupt etwas wiedersehen will.

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