Wirtschaft : Geld und Innovationen im Doppelpack

LEIPZIG (jhw).Wer in Deutschland Unternehmergeist sucht, hätte ihn am Montag und Dienstag auf dem Leipziger Messegelände finden können.Knapp 50 innovative Firmen stellten sich auf dem dritten deutschen Eigenkapitalforum vor, das die Deutsche Börse AG, Frankfurt (Main), und die Staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau, Frankfurt (Main), veranstalteten.

Die meisten Unternehmen des Forums agieren in Branchen, in der eine enorme Dynamik herrscht.Die Aladin Gesellschaft für innovative mikrobiologische Systems GmbH aus dem brandenburgischen Luckenwalde ist in der Biotechnik aktiv.Sie entwickelt auf Basis von Kleinstlebewesen Produkte, die Wasser reinigen.Von Waltersdorf in Brandenburg aus macht die ICG in Telekommunikations- und Informationstechnik: sie plant für Unternehmen Computernetze, baut sie zusammen, schult die Mitarbeiter und wartet die Rechner.

Ideen für neue Geschäfte sind offenbar vorhanden.Aber was ist mit dem nötigen Kapital? "An Geld scheitert in Deutschland gar nichts mehr", stellte Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers in Leipzig fest.Woran dann? Dazu sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, Hans Peter Stihl: "Innovationen und Kapital zusammenzubringen, das ist die Herausforderung."

Stihl machte am Dienstag klar, daß ein Börsengang nicht für alle Unternehmen das Patentrezept sei.Zwar habe sich inzwischen schon viel in Deutschland geändert, aber junge Unternehmen bräuchten auch schon Kapital, wenn nur die Vision vorhanden sei.Neben dem Bankkredit - dem sogenannten Fremdkapital - sei das immer mehr die Beteiligung privater und öffentlicher Investoren.Diese geben den Firmen Eigenkapital.

Zu den Kapitalgebern gehören vor allem Wagniskapitalgesellschaften, zum Beispiel die 3i Deutschland Gesellschaft für Industriebeteiligungen mbH, Frankfurt (Main), nach eigenen Angaben die führende Beteiligungsgesellschaft Europas.Sie hält Anteile an etwa 3000 Firmen.Jedes Jahr investiert sie etwa 100 Mill.DM.

Auf dem Eigenkapitalforum im vorigen Jahr wurde 3i auf Louis Arnitz aus Frankfurt (Main) und seiner Geschäftsidee aufmerksam.Arnitz, der früher ein Reisebüro betrieb, bietet in seiner i:FAO AG Computerprogramme an, mit denen Unternehmen Geschäftsreisen im Internet buchen können.3i besitzt inzwischen 20 Prozent der Unternehmensanteile und begleitet Arnitz, der noch keinen Gewinn erwirtschaftet, bei der Expansion."Man muß auf Investorensuche gehen, auch wenn man Verluste macht", sagt Arnitz.Denn sonst expandiere man zu spät, und dann hätten Konkurrenten die Marktnische besetzt.Wichtig sei zudem, das eigene Produkt in 15 Minuten erklären zu können.Schließlich wollen Beteiligungsgesellschaften schnell erkennen, ob sich ihr Einsatz lohnt.

Die i:FAO AG plant ihren Börsengang für das kommende Jahr.Auch die Berliner Foris Beteiligungs-AG will die Notiz am Neuen Markt.Doch vorerst suchte sie in Leipzig nach Beteiligungsgesellschaften.Das Unternehmen, das Prozesse mit hohem Streitwert gegen Erfolgsbeteiligung führt, braucht Kapital, weil es die Prozeßkosten vorfinanzieren muß."Vor dem Jahr 2001 ist kein einziger unserer Prozesse beendet", sagt Vorstand Christian Rollmann.

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