Wirtschaft : Geld- & Kapitalanlagen: Bei der Vermögensanlage zählen ausschließlich Fakten

Thomas M. Pohlig

Die Terroranschläge in den USA und die laufenden Angriffe in Afghanistan werden derzeit noch nicht absehbare Folgen für die konjunkturelle Weltwirtschaftslage haben. Die Insolvenzen verschiedener Airlines in Europa zeigen schon heute, dass die Branchen unterschiedlich stark betroffen sein werden.

Die Anschläge haben aber das versteckte Dahinsiechen von ohnehin schwachen Branchen nur beschleunigt und früher als erwartet das wirtschaftliche Ende zu Tage gebracht. Insofern kommt es jetzt schneller als geplant zu einer Marktbereinigung mit entsprechenden Chancen für die verbleibenden Unternehmen. Diese werden aufgrund eines weniger starken Wettbewerbs ihre Gewinnsituation verbessern können, auch wenn man eine einigermaßen seriöse Quantifizierung in der augenblicklichen Situation noch nicht vornehmen kann.

Ein gutes Beispiel dafür sind auch die Direktbanken und Telekommunikationsunternehmen. Wurden bis Mitte des vergangenen Jahres in der noch jungen E-Brokerage-Branche von Quartal zu Quartal höhere Neukunden-Zuwächse gemeldet, hat sich seit Monaten deutliche Ernüchterung breit gemacht. Die angepeilten, aber bisher noch nicht erreichten schwarzen Zahlen sind für viele in unendliche Ferne gerückt. Die aberwitzig teuren UMTS-Lizenzen werden wohl auch der ein oder anderen Telefongesellschaft das Genick brechen.

Dennoch liegen die Vorteile des klug investierenden Anlegers auf seiner Seite. Hat doch die US-Notenbank bereits zehnmal in Folge die kurzfristigen Zinsen gesenkt. Heute haben wir den tiefsten Stand seit 50 Jahren, was sich allmählich auch bei den langfristigen Zinsen bemerkbar macht. Davon profitieren insbesondere die Häuslebauer, weshalb in diesem Bereich schon heute anziehende Nachfrage zu verzeichnen ist. Darüber hinaus haben die USA weitere Steuersenkungen beschlossen, verbunden mit fiskalischen Ausgabensteigerungen. Damit werden die USA und mit ihr die gesamte Weltwirtschaft Mitte nächsten Jahres die konjunkturelle Talsohle durchschritten haben. Erheblich dazu beitragen wird das bis dahin wieder erstarkte Verbrauchervertrauen, beeinflußt durch den günstigen Ölpreis sowie sehr niedrige Inflationsraten.

Für den Kapitalanleger stellt sich die Frage, wie er in der momentanen Situation reagieren soll und wie er sie für sich nutzen kann. Natürlich gibt es eine Fülle von Bank- und Börsendiensten, die mit Kaufempfehlungen für bestimmte Aktien an die Öffentlichkeit gehen. Das genügt aber nicht der komplexen Situation des Anlegers, der schon seit Jahren am Markt aktiv ist und mit seinem Depot tief in den roten Zahlen steht. Er braucht häufig nicht Kaufempfehlungen sondern vielmehr Hilfe bei der Depotbereinigung. Marktbreite Indizes wie Stoxx oder Deutscher Aktienindex (Dax) haben sich zeitweise mehr als halbiert, einzelne Titel verzeichneten Verluste von mehr als 90 Prozent. In den Kundendepots der Banken sieht es naturgemäß nicht anders aus.

Aber beim Verkauf von Schieflagen tut sich die Hausbank besonders schwer, hat doch der Berater häufig zum Kauf der aus heutiger Sicht falschen Titel geraten. Nach dem Motto, so lange man nicht verkauft hat, sind Buchverluste keine echten Verluste, herrscht das Prinzip Hoffnung und der Kunde wartet auf bessere Zeiten. Aber genau hier liegt das Problem. Vom Warten wird es nicht besser. Nicht die Titel, die den höchsten Absturz erlebt haben, werden auch die Performance Stars von morgen sein. Die ersten Gesellschaften sind schon ganz vom Kurszettel verschwunden, weitere werden folgen. Der Anleger muß also allein oder mit Hilfe seines Beraters bei jedem Titel kritisch fragen, ob diese oder jene Aktie oder Aktienfonds auch aus heutiger Sicht noch ein Investment wert ist. Besonders schwer fallen dem Bankberater Erklärungen zur Schieflage der hauseigenen Investmentfonds, wurde doch seinerzeit mit wärmsten Worten das herausragende Management empfohlen.

Tröstende Worte sind in diesen Tagen hilfreich, aber bei der Vermögensanlage völlig deplaziert. Emotionen sollten ausgeschlossen werden, es zählen ausschließlich Fakten. Darin liegt die Stärke von freien Vermögensverwaltern, wenn ein Anleger mit ihnen einen Verwaltungsvertrag abschließt. Wird der Verwalter überwiegend nach Honorar bezahlt, ist er frei von Sachzwängen und hat keine Vorgaben einer Geschäftsführung im Hinblick auf den Vertrieb bestimmter Produkte. Ähnlich wie im Verhältnis zu einem Rechtsanwalt sind die Interessen zwischen Kunden und Berater völlig gleichgeschaltet. Beide wollen das gleiche Ziel erreichen: Den Prozess gewinnen beziehungsweise einen möglichst hohen Wertzuwachs aus dem Vermögen erwirtschaften. Gleichzeitig kontrolliert der unabhängige Vermögensverwalter Abrechnungs- und Gebührenpraxis der Bank, was nicht selten für erhebliche Ersparnisse sorgt.

Sein Vermögen in fremde Betreuung zu geben verlangt aber ein hohes Maß an Vertrauen. Diese Hemmschwelle ist in Deutschland besonders hoch, weil der Gesetzgeber EU-Recht sehr spät in nationales Recht umgesetzt hat. Dadurch konnten in der Vergangenheit noch viele "schwarze Schafe" solche Dienstleistungen anbieten. Doch heute gibt es ein sehr hilfreiches Kriterium für die Wahl seiner Vermögensverwaltung. Das VuV-Gütesiegel. Vergeben wird es vom Verband unabhängiger Vermögensverwalter in Frankfurt. Die dort registrierten Verwaltungsgesellschaften unterliegen ebenso wie alle Banken und Sparkassen dem Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) und dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe). Mitglied im VuV kann nur werden, wer die Zulassung durch das BAKred hat und sich dem strengen VuV-Ehrenkodex verpflichtet. Durch diese Aufnahmekriterien wird kompetente Betreuung garantiert. Zudem stehen dem Rat suchenden Anleger Partner zur Verfügung, die ausnahmslos selbst unternehmerisch denken und unabhängige Gesellschaften leiten. Langjährige Erfahrung in der Vermögensverwaltung ist unabdingbares Aufnahmekriterium.

Wie auch immer sich der Anleger entscheidet, er sollte es schnell und konsequent tun. Die ersten Aktien sind schon wieder mehr als 50 Prozent über den Tiefstkursen von Mitte September.

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