Geld und mehr : IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Einkommen

Die IG Metall geht dieses Jahr nicht nur mit einer Gehaltsforderung in die Tarifrunde. Sie will bei den Arbeitgebern auch einen Anspruch auf Bildungsteilzeit durchsetzen.

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Detlef Wetzel: „Unser Ziel ist das gute Leben, und dazu ist mehr als Geld nötig“, sagte der IG Metall-Chef.
Detlef Wetzel: „Unser Ziel ist das gute Leben, und dazu ist mehr als Geld nötig“, sagte der IG Metall-Chef.Foto: dpa

Geld ist nicht genug. Jedenfalls nicht der IG Metall, die am Dienstag die Tarifrunde 2015 einläutete. Der Vorstand der mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern größten deutschen Gewerkschaft will eine Tariferhöhung „um bis zu 5,5 Prozent“ und zusätzlich einen Anspruch auf Bildungsteilzeit durchsetzen. „Unser Ziel ist das gute Leben, und dazu ist mehr als Geld nötig“, erläuterte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel die Haltung der Gewerkschaft.

Die Reaktion von der anderen Seite kam prompt. Mit ihrer Forderung „schürt die IG Metall Illusionen der Beschäftigten“, meinte Gesamtmetallpräsident Rainer Dulger. Angesichts der „massiv gesenkten“ Wirtschaftsprognosen sei eine Einkommenserhöhung um fünf Prozent undenkbar. Bildungsteilzeit ist aus Sicht der Arbeitgeber überflüssig, weil „täglich gelebter Alltag“. Die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie, wozu Maschinenbau und Autohersteller gehören, geben laut Gesamtmetall jedes Jahr acht Milliarden Euro für Bildung aus. Und das reicht nach Einschätzung der Arbeitgeber aus.

Die Gewerkschaft will im digitalen Zeitalter "Neuland betreten"

Keineswegs, meint die IG Metall. Die Bildungsausgaben der Unternehmen stagnierten auf dem Niveau von 1997, obwohl eine technologische Revolution im Gang sei und die Digitalisierung der Arbeitswelt bis zu 40 Prozent der Tätigkeiten überflüssig mache. „Wir wissen nicht, in welcher zeitlichen Dynamik diese Entwicklung auf uns zukommt, aber wir wissen, dass sie kommt“, sagte Jörg Hofmann, zweiter Vorsitzender der IG Metall. Und da sich die Arbeitgeber so verhielten, „als ob sie das nichts anginge“, werde die IG Metall „Neuland betreten“ und den Anspruch auf Bildungsteilzeit in einem Tarifvertrag durchsetzen.

Als Modell dafür gilt die Altersteilzeitregelung, die es seit vielen Jahren in der Metallindustrie gibt und die nun wegen der veränderten Gesetzeslage (abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren), in einem neuen Tarifvertrag modifiziert werden muss. Für Altersteilzeit geben die Metallbetriebe 0,8 Prozent der Bruttoentgeltsumme aus; die Hälfte davon wird gewissermaßen von den Beschäftigten getragen, weil eine mögliche Tariferhöhung um 0,4 Prozent für Altersteilzeit gebraucht wird. Die IG Metall will nun einen Tarifvertrag, der die Finanzierung von Altersteilzeit ebenso vorsieht wie die Finanzierung von Bildungsteilzeit. Wenn dann beispielsweise jemand für eine zweijährige Qualifizierung aussteigt, könnte er 80 Prozent seines Nettoentgelts bekommen.

Bildungsteilzeit soll Fachkräfte an das Unternehmen binden

Als Zielgruppen haben die IG Metaller vor allem Un- und Angelernte im Blick, aber auch Ausgelernte, die ein Studium draufsatteln wollen, und die man mit Hilfe der neuen Bildungsteilzeit an den Betrieb binden könnte; gegenwärtig verlassen rund 40 Prozent der Ausgelernten ihren Ausbildungsbetrieb. Gesamtmetallpräsident Dulger setzt auch hier mit Kritik an: „Bei einer bezuschussten Bildungsteilzeit würden letztendlich die Schichtarbeiter dem Ingenieur das Masterstudium bezahlen.“ Hoffmann indes ließ keinen Zweifel am Durchsetzungswillen der IG Metall, die Bildungsteilzeit als „belastbaren Anspruch des Arbeitnehmers“ durchzusetzen. Dann wäre Weiterbildung nicht länger ein „Gnadenakt des Arbeitgebers“.

Erstmals verhandelt wird im Januar. Dass eine schwächere Konjunktur den Arbeitgebern in die Karten spielt und der IG Metall einen hohen Abschluss blockiert, glaubt Wetzel nicht. Die deutsche Wirtschaft wachse 2015 laut Herbstgutachten um 1,2 Prozent. Und die Entgeltforderung von 5,5 Prozent ergebe sich aus gesamtwirtschaftlichem Produktivitätswachstum (plus 1,5 Prozent) und Zielinflationsrate der EZB (zwei Prozent) sowie einer Umverteilungskomponente. Ein Abschluss, der erst nach Karneval erwartet wird, dürfte um die drei Prozent liegen.

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