Geld und Rauch : Großfusion in der Zigarettenindustrie

British American Tobacco will für 47 Milliarden Dollar Reynolds komplett übernehmen. Immer noch wird viel Geld mit Glimmstengeln verdient.

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Es wird zwar immer weniger geraucht in westlichen Ländern, doch das Geschäft mit den Kippen ist unverändert profitabel.
Es wird zwar immer weniger geraucht in westlichen Ländern, doch das Geschäft mit den Kippen ist unverändert profitabel.Foto: REUTERS

Ständige Steuererhöhungen, ein miserables Image als Krebsverursacher, Werbeverbote und die Vertreibung der Verbraucher aus weiten Teilen der Öffentlichkeit – die Tabakindustrie macht ihre Geschäfte unter schwierigen Bedingungen. Doch es wird noch immer viel Geld verdient mit dem Genuss- und Suchtmittel Zigarette, die Ertragsmargen der großen Konzerne Philip Morris, Imperial Brands (Reemtsma), BAT oder Reynolds sind gut zweistellig. Die britische BAT (unter anderem mit den Marken Lucky Strike und Pall Mall), die in Deutschland auf einen Marktanteil von knapp 20 Prozent kommt, kündigte am Freitag einen ganz großen Deal an. Für 47 Milliarden Dollar will BAT den US-Konzern Reynolds („Camel“) übernehmen und damit zum weltgrößten börsennotierten Tabakkonzern aufsteigen.

47 Milliarden Dollar für 58 Prozent

British American Tobacco (BAT) ist bereits an Reynolds beteiligt. Der genannte Preis gilt für die restlichen 57,8 Prozent. Der neue Konzern würde Marken wie Pall Mall, Dunhill, Lord, Prince sowie Newport und Rothmans unter einem Dach vereinen. Reynolds American ist auf den US-Markt konzentriert, seitdem das internationale Geschäft 1999 an Japan Tobacco verkauft wurde.

Die Kombination der beiden Unternehmen stärke das Geschäft für die Zukunft, betonte BAT-Chef Nicandro Durante. Ähnlich argumentiert Jan Mücke vom deutschen Zigarettenverband. Bei der Entwicklung neuer Produkte habe ein neuer Großkonzern naturgemäß mehr Möglichkeiten; ob das die Weiterentwicklung der E-Zigarette sei oder Veränderungen am Tabak, sodass beim Verbrennungsvorgang nicht so viele Giftstoffe entstünden wie bislang. Auch die Präsenz in Schwellenländern in Südamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Asien würde sich verbessern für das fusionierte Unternehmen. Die meisten internationalen Tabakkonzerne richten ihre Tätigkeit zunehmend auf diese Länder aus, um die nachlassende Nachfrage in Westeuropa auszugleichen. In Deutschland etwa sinkt der Zigarettenverbrauch jedes Jahr um rund ein Prozent. Seit 2002 fiel der Absatz um mehr als 40 Prozent.

Die Tabaksteuer bringt 15 Milliarden Euro

„Eine wesentliche Ursache dieser Entwicklung waren die zahlreichen Tabaksteuererhöhungen der vergangenen Jahre“, heißt es beim deutschen Zigarettenverband. Zwischen 2002 und 2005 wurde die Tabaksteuer insgesamt fünf Mal erhöht; mit den höheren Einnahmen sollten unter anderem Maßnahmen zur Terror-Bekämpfung finanziert werden. Ende 2010 folgte im Rahmen des Verbrauchssteueränderungsgesetzes eine weitere fünfstufige Erhöhung der Tabaksteuer bis 2015. Im vergangenen Jahr nahmen die Finanzämter knapp 15 Milliarden Euro Tabaksteuern ein, davon entfielen 12,5 Milliarden auf Zigaretten, rund eine Milliarde auf Feinschnitt und der Rest auf Pfeifentabak und Zigarren. Die steuerfreie E-Zigarette konnte sich übrigens bislang kaum durchsetzen, ihr Marktanteil liegt in Deutschland nach Angaben des Zigarettenverbandes unter einem Prozent.

10 000 Beschäftigte arbeiten in der Branche

BAT verkaufte nach eigenen Angaben in Westeuropa im vergangenen Jahr 23 Milliarden Zigaretten, das waren 17 Prozent weniger als 2011. In Bayreuth stellte der Konzern in diesem Sommer seine Zigarettenproduktion ein und strich 950 Stellen. Das Forschungszentrum und die Herstellung von Feinschnitt bleibt in Bayreuth. Insgesamt beschäftigt die Glimmstengelbranche hierzulande noch rund 10 000 Personen, unter anderem im Werk von Philip Morris in Berlin-Neukölln. Weitere Produktionsstandorte gibt es in Langenhagen, Trier und Lübeck. Bis zum Fall der Mauer wurden fast alle hierzulande gerauchten Zigaretten in West-Berlin produziert, weil das System der Berlinförderung für die Tabakindustrie äußerst profitabel war. Mit dem Wegfall der Förderung Mitte der 1990er Jahre wurde dann auch ein Werk nach dem anderen in Berlin aufgegeben.

Die Reynolds-Aktie geht ab

Um die Übernahme von Reynolds durchzusetzen, bietet BAT den Reynolds-Aktionären 56,50 Dollar je Aktie, was einem Aufschlag von 20 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag entspricht. Vom Kaufpreis sollen rund 20 Milliarden Dollar in bar überwiesen und die übrigen 27 Milliarden Dollar in Form von BAT-Aktien bezahlt werden.

BAT steigerte seinen bereinigten Umsatz in den ersten neun Monaten um gut acht Prozent, während der Absatz der wichtigsten Marken um fast zehn Prozent wuchs. Die BAT-Aktie notierte am Freitag nahezu unverändert. Im bisherigen Jahresverlauf stieg der Kurs aber um 27 Prozent. Reynolds legten allein am Freitag gut 16 Prozent zu. mit rtr

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