Wirtschaft : Geld verdienen mit Aktien wird schwerer Steigender Ölpreis und hohe Inflationsrate belasten

Frankfurt am Main – Der steigende Ölpreis, eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken in Europa und in den USA, die hohe Inflation, unsichere Konjunkturaussichten und niedrigere Gewinnaussichten lasten im zweiten Halbjahr und möglicherweise noch länger auf den Aktienmärkten. „Die Prognosen werden in einem solchen Umfeld immer schwieriger“, sagt Klaus Martini, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Trotzdem räumt er deutschen Aktien für die kommenden zwölf Monate gute Chancen ein. Der Deutschen Aktienindex (Dax) könne von derzeit rund 6800 auf 7800 Punkte steigen. Bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim rechnet man bis Herbst mit maximal 7000 Punkten. Erst danach sei bei einer Abkühlung der Energie- und Rohstoffpreise eine Steigerung Richtung 8000 Punkte möglich.

Beide Institute legten am Dienstag ihren Ausblick für die Kapitalmärkte bis Ende 2008 und Mitte 2009 vor. Dabei überwiegt nicht nur wegen der anhaltenden Kredit- und Finanzkrise die Vorsicht. Vor allem der Ölpreis sorgt für bedenkliche Mienen. Eine Entspannung erwartet Martini angesichts der anhaltend hohen Nachfrage nicht. „Der Ölpreis sollte hoch bleiben und langfristig weiter steigen.“ Unter 100 Dollar pro Fass könne er nur fallen, wenn es in China zu einer Rezession komme. Ähnlich sieht es Dieter Pfundt, persönlich haftender Gesellschafter bei Sal. Oppenheim.

Auch bei den Nahrungsmittelpreisen sehen die Experten kaum sinkende Notierungen. Dies alles kratzt an der Preisstabilität. „Die goldenen Jahre der niedrigen Inflation sind vorbei“, sagt Martini. Trotzdem erwartet er nicht wieder zweistellige Inflationsraten wie in den siebziger Jahren. Die Notenbanken werden gleichwohl einen restriktiveren Kurs einschlagen, glauben Martini und Pfundt. Bei der Deutschen Bank rechnet man im Juli mit einer Anhebung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) und einem weiteren Schritt in den Monaten danach, so dass der Leitzins von derzeit 4,0 auf 4,5 Prozent steigen dürfte. Gleichzeitig erhöhen sich die Risiken für die Konjunktur, auch wenn es nach Ansicht von Martini in den USA nicht zu einer Rezession kommt und die deutsche Wirtschaft 2008 noch einmal mit mehr als zwei Prozent wachsen wird. Die Gewinne der Unternehmen werden aber nicht mehr so sprudeln wie in der Vergangenheit, ist man sich auch bei Sal. Oppenheim sicher.

All dies drückt im Prinzip auf die Stimmung und die Aussichten für die Aktienmärkte. Andererseits bleiben Staatsanleihen und andere festverzinsliche Papiere angesichts der niedrigen realen Zinsen unattraktiv. Und Aktien haben nach Ansicht von Martini einen Vorteil: „Sie sind heute so günstig bewertet wie zuletzt Anfang der neunziger Jahre.“ In Deutschland liege das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – der Kurs der Aktie in Relation zum Unternehmensgewinn je Aktie – derzeit bei 11,0. Im langjährigen Schnitt sind es 15,5, Anfang März 2000 hatte das KGV sogar bei 30,8 gelegen. Dies eröffne Kurschancen, glaubt Martini. ro

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