Wirtschaft : Geld vom Staat fürs Renovieren

Gemischte Reaktionen auf Pläne der Bundesregierung, künftig Handwerkskosten steuerlich fördern zu wollen

Oliver Trenkamp,Cornelia Wagner

Berlin - Die geplante Handwerksförderung wird die Schwarzarbeit in Deutschland kaum verringern. Im vergangenen Jahr hatte die Schattenwirtschaft in Deutschland ein Volumen von rund 346 Milliarden Euro erreicht. „Wenn die Pläne der Bundesregierung umgesetzt werden, wird die Schwarzarbeit um zwei bis drei Milliarden Euro sinken“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider auf Anfrage. Allerdings könne die Abschaffung von Eigenheimzulage und Ich-AGs den Effekt wieder aufheben. Wichtig sei auch, dass die Regelung verbraucherfreundlich gestaltet werde. Es dürfe kein hoher Aufwand bei der Steuererklärung entstehen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (beide SPD) hatten sich darauf verständigt, dass die Steuerschuld rückwirkend zum Jahresbeginn um bis zu 600 Euro im Jahr verringert werden kann. Die Regelung wolle die Regierung auf ihrer Klausur am kommenden Dienstag beschließen, hieß es am Freitag in Koalitionskreisen. Wenn zum Beispiel künftig für 2500 Euro Arbeitskosten ein Badezimmer renoviert wird, gibt es vom Finanzamt 20 Prozent der Arbeitskosten dazu. In dem Fall wären das also 500 Euro. Steinbrück und Müntefering erhoffen sich durch den Steuervorteil einen Rückgang der Schwarzarbeit und mehr legale Aufträge für das Handwerk.

In Verbänden und bei der Opposition gab es ein zwiespältiges Echo auf die Pläne. Alexander Legowski, Pressesprecher vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, begrüßte, „dass die neue Regierung den Mittelstand ins Visier genommen hat und damit den Binnenmarkt unterstützt.“ Doch alles in allem geht Handwerkern und dem Bund der Steuerzahler der Schritt nicht weit genug. Weder werde das Handwerk genug gefördert, noch die Steuerlast ausreichend gemindert, lautet die Kritik. Der FDP-Politiker Rainer Brüderle warf der großen Koalition eine „Ablenkung von der Abkassierorgie“ vor. Verbrauchern und Handwerk wäre „mit einem konsequenten Abbau von Steuern und Abgaben viel mehr geholfen“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP dem Tagesspiegel.

Die Maler- und Lackiererinnung Berlin sieht in der Abschreibungsmöglichkeit einen „Schritt zur Bekämpfung der Schwarzarbeit“. Innungsgeschäftsführer Jürgen Wittke sagte aber auch, das sei „lange nicht ausreichend, um die Schattenwirtschaft zurückzudrängen.“ Ähnlich sieht es Wolfgang Rink von der Handwerkskammer Berlin. „Der Betrag von 3000 Euro ist zu gering angesetzt. Und der positive Effekt könnte sich Anfang 2007 mit der Mehrwertsteuererhöhung wieder aufheben“, sagte Rink auf Anfrage.

Der Bund der Steuerzahler reagierte ablehnend. „Die Regelung verkompliziert die Vorschriften, die bei der Steuererklärung zu beachten sind“, sagte Präsident Karl-Heinz Däke. Er empfahl allen Steuerzahlern, Zahlungsbelege und Handwerkerrechnungen auf jeden Fall aufzubewahren und bei der Steuererklärung für 2006 einzureichen.

Eine „Entlastung der Hauseigentümer“ erwartet der Verband Haus und Grund, die Gemeinschaft privater Hauseigentümer. „Die Maßnahme ist nur begrenzt dazu tauglich, die notwendigen Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen“, sagte Verbandssprecher Stefan Diepenbrock auf Anfrage.

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