Wirtschaft : Geldabheben am Automaten teurer

Sparkassen bitten Fremdkunden zur Kasse / LBB verlangt 7,50 DM BERLIN (jmn).Kunden privater Banken, die an Sparkassen-Automaten Geld abheben wollen, müssen von 1.März an je nach Region mit deutlich höheren Gebühren rechnen.Wie die Landesbank Berlin am Montag mitteilte, beträgt die Gebühr für Kunden, die kein Konto bei einer deutschen Sparkasse unterhalten, an LBB-Automaten künftig mindestens 7,50 DM oder zwei Prozent des Auszahlungsbetrages.In Baden-Württemberg sind Beträge um 6 DM im Gespräch.Die Sparkasse Münster legte die Gebühr bereits auf 9,50 DM fest. Nach Ansicht des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) in Bonn ist mit der neuen Gebührenordnung "der Weg frei für mehr Wettbewerb am Markt", so DSGV-Sprecher Hartmut Forndran.37 Millionen Sparkassen-Kunden nutzten seit Jahresbeginn den Bargeld-Service an rund 20 000 Geldautomaten kostenlos.Dadurch entstünde ihnen eine Ersparnis von 70 Mill.DM.Bei einem Anschaffungspreis von 130 000 DM pro Stück und entsprechenden Kosten für die Unterhaltung seien Geldautomaten "ein echtes Wettbewerbselement". Bislang mußten Bankkunden an Sparkassen-Automaten 4 DM oder ein Prozent vom Auszahlungsbetrag als Gebühr entrichten.Festgehalten war dies in einer Vereinbarung des Zentralen Kreditausschusses, in dem neben den Sparkassen auch die Volks-und Raiffeisenbanken, die Postbank sowie die privaten Banken vertreten sind.Diese Vereinbarung hatte der DSGV zum 1.März gekündigt mit der Folge, daß jede Sparkasse für sich selbst Gebühren festlegen darf.Nach den Worten Forndrans eine Reaktion auf "Trittbrettfahrer" von den Direktbanken: "Wir finanzieren das teure Geldautomaten-Netz - und die Direktbank-Kunden benutzen es zu einem unangemessen niedrigen Preis." Auch die LBB, die mit 441 Geräten über das dichteste Automaten-Netz in Berlin verfügt, sieht die Anhebung "als Antwort auf die Marktoffensive der Direktbanken, die ihre Kunden auf fremde Geldautomaten-Netze zugreifen lassen und sich durch diese Investitions- und Kosteneinsparungen erhebliche Wettbewerbsvorteile verschaffen." Für die Bankkunden empfiehlt es sich, Preise und Leistungen genau zu vergleichen.Denn ob Automaten-Abhebungen bei Sparkassen teurer werden, hängt auch vom eigenen Kreditinstitut ab.Ein Beispiel: Die Commerzbank oder die Deutsche-Bank-Tochter Bank24, eine Direktbank, geben die Erhöhung an ihre Kunden weiter.Zur Begründung weisen beide auf die Möglichkeit hin, gebührenfrei an den eigenen Automaten abheben zu können.Wer bei der Sparkasse Geld holt, ist quasi selbst schuld.Anders geht etwa die Allgemeine Deutsche Direktbank vor, die ihren Kunden kostenlosen Service an 27 000 Geldautomaten anbietet.Die in Berlin ansässige Weberbank verspricht Kontoinhabern sogar gebührenfreies Abheben an sämtlichen der über 40 000 Geldautomaten in Deutschland."Es bleibt den Banken überlassen, inwieweit sie sich selbst an den Kosten beteiligen", sagt DSGV-Sprecher Forndran.Es könnte jedoch noch anders kommen.Die Kündigung der Preis-Vereinbarung durch die Sparkassen setzt nach Meinung des Bankenverbandes eine Frist von zwei Jahren voraus.Verbandssprecher Wolfrum nennt den Weg vor das Gericht zwar "schwierig und zäh", will ihn aber nicht ausschließen.Am Montag nachmittag trafen sich die Fraktionen zu einem weiteren Gespräch."Bei der Rechtslage herrscht weiter Dissens", hieß es von der Sparkasse.

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