Wirtschaft : Geldanlage: Die Anleger sind erwachsen geworden

Daniel Rhee-Piening

Die Deutschen sind renditebewußter geworden. Man könnte auch sagen: Ein immer größerer Teil der Menschen hofft, sein Geld anders als durch tägliche Arbeit zu verdienen. Dies ist die einfachste Erklärung für die Entdeckung der Aktie durch ein Volk, dem man jahrzehntelang zu Recht nachsagte, es parke sein Geld auf dem Sparbuch und lasse sich mit armseligen Zinsen abspeisen. Was für die ältere Generation noch bedingt Gültigkeit hatte, wird von den Jüngeren längst nicht mehr beachtet. Besser informiert über wirtschaftliche Zusammenhänge und in der Gewissheit, selbst etwas für die Altersversorgung zu tun, suchen sie nach neuen Wegen. Die Wagemutigen und etwas Gierigeren entdecken den Neuen Markt. Wer beobachtet, wie sein Nachbar in kurzer Zeit vermeintlich reich geworden ist - denn berichtet wird in aller Regel ja nur von den Gewinnen -, wird zum Wettbewerb angestachelt. Die Mißtrauischeren und etwas Vorsichtigeren werden in Investmentfonds gelenkt. Denn welcher Bankberater würde sich heute überhaupt noch trauen, seinem Kunden ein Sparbuch anzubieten. Doch die deutschen Anleger sind trotz der traumhaften Wertgewinne im vergangenen Jahr nicht übermütig geworden und verkraften auch ein miserables Aktienjahr 2000 bisher ziemlich klaglos. Auch der drastische Kursverlust der T-Aktie wurde von den Anlegern weggesteckt. Jetzt warten sie auf die Privatisierung der Post. Und so kann man den Investoren bestätigen, dass sie reifer geworden sind. Sie sehen die Risiken. Sie sind zwar auf leichtes Geld aus, aber sie wissen: Die Börse ist keine Einbahnstraße.

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