Geldanlage : Viele Banken beraten ihre Kunden nicht richtig

Risikoreich und teuer: Bei der Anlageberatung gehen die Tipps der Banken oft an den Bedürfnissen der Kunden vorbei, hat die Zeitschrift Finanztest herausgefunden.

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Wer Geld anlegen möchte, sollte mehrere Angebote miteinander vergleichen.
Wer Geld anlegen möchte, sollte mehrere Angebote miteinander vergleichen.Foto: Fotolia

Banken empfehlen ihren Kunden häufig Geldanlageprodukte, die risikoreich und teuer sind und an den Wünschen der Kunden vorbeigehen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der zur Stiftung Warentest gehörenden Zeitschrift „Finanztest“, die am Dienstag vorstellt wurde. Sie hat die Qualität der Anlageberatung bei 23 deutschen Geldinstituten, Genossenschaftsbanken und Sparkassen überprüft. Dabei konnten nur drei der untersuchten Geldhäuser die Tester überzeugen: Sie erhielten für ihre Beratung die Note „gut“, darunter die Sparda Bank Berlin. Die Genossenschaftsbank hatte die Bewertung unter anderem deswegen erhalten, weil ihre Berater den Kunden eine ausgewogene Mischung aus sicheren Renten oder Festgeldanlagen und riskanteren Geldanlagen empfohlen und überdies auch die Kosten der Geldanlage nicht aus den Augen verloren hatten. Die meisten von Finanztest getesteten Banken ernteten für ihre Anlagetipps dagegen nur die Noten „befriedigend“ bis „mangelhaft“.

Vor allem beim Zuschnitt der Geldanlagen schneiden die Berater schlecht ab

„Gute Anlageberatung ist immer noch Mangelware“, sagte der wissenschaftliche Leiter der Studie, Stephan Kühnlenz. „Viel zu oft versorgen Berater ihre Kunden mit falschen Produkten, die nicht zum Anlageprofil passen.“ Für die Bewertung der Beratung hatten sich „geschulte Laien“ insgesamt 160 Mal bei verschiedenen Banken über die Möglichkeiten informiert, 45.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren anzulegen. Sie waren bereit, einen Teil des Geldes mit etwas Risiko anzulegen, bei Bedarf sollte das Geld schnell verfügbar sein. Neben der Lösung des Anlageproblems evaluierten die Tester auch Aufnahme des Kundenprofils, Produkt- und Kosteninformationen sowie die Vergabe von Beratungsprotokollen. Seit dem 1. Januar 2010 sind Kreditinstitute verpflichtet, die Beratung über Wertpapiere zu dokumentieren und dem Kunden auszuhändigen.
Dieser Pflicht kommen aber immer noch längst nicht alle Banken nach. So mussten die Tester in der vorliegenden Untersuchung 15 Mal auf die vorgeschriebene Dokumentation verzichten. Doch gerade das Gesprächsprotokoll sei wichtig, um sich nach der Beratung noch einmal ein Bild über das Angebot machen und womöglich eine zweite Meinung einholen zu können, sagte Testleiter Kühnlenz. Dem Test zufolge haben die Anlageberater kaum Probleme, die persönlichen Hintergründe und Wünsche ihrer Kunden zu erfassen. Allerdings spiegelten sich die Profile viel zu selten in den vorgeschlagenen Finanzprodukten wider, sagte Kühnlenz. Statt auf den Kunden einzugehen, legten viele Banken den Verbrauchern vor allem Produkte aus dem eigenen Haus nahe. Sie brächten den Geldinstituten zwar höhere Provision ein, seien für die Kunden aber nur selten eine besonders gute Lösung.

Die Kreditwirtschaft nimmt die Banken in Schutz

Die Deutsche Kreditwirtschaft als Dachverband der Bankenbranche verteidigte die Beratungen. Die Testanleger des Magazins hätten eine provisionsbasierte Anlageberatung in Anspruch genommen. Es sei klar, dass „ein Kreditinstitut die Erbringung solch einer für den Kunden kostenlosen Dienstleistung erwirtschaften“ müsse. Dies geschehe über Provisionen vom Produkthersteller, was dem Kunden im Beratungsgespräch auch transparent gemacht werde. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) forderte den Gesetzgeber auf, Provisionen in der Finanzberatung abzuschaffen. Der VZBV hatte Ende 2015 ebenfalls Anlageberatungen unter die Lupe genommen und war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie Finanztest.