Wirtschaft : Geldanleger plündern ihre Konten

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Wie die Bilder denen aus dem August 1998 gleichen: Menschenschlangen vor Banken, die aus „technischen Gründen“ bis auf weiteres keine Auszahlungen mehr vornehmen. Auch die Automaten verweigern Bargeld und in den Kaufhäusern schütteln Verkäuferinnen bedauernd den Kopf: Die Kreditkarte, in Russland bisher ohnehin nur eine andere Form der mit Guthaben aufgefüllten Geldkarte, wird nicht mehr akzeptiert.

ZENTRALBANK DEMENTIERT Zentralbankchef Sergej Ignatjew leugnet vehement eine Bankenkrise wie vor sechs Jahren, die Russland nahe an den Staatsbankrott brachte. Fast alle großen privaten Geldhäuser waren auf einen Schlag zahlungsunfähig, weil die Regierung sie gezwungen hatte, in großem Umfang Wechsel für die Begleichung der damals horrenden russischen Auslandsschulden zu kaufen. Jetzt gelten mehrere Großbanken erneut als akut gefährdet.

LIZENZEN ENTZOGEN

Schon im Mai entzog Ignatjew der Sodbusiness-Bank die Lizenz, die noch kurz zuvor Kleinanleger mit überdurchschnittlichen Zinsen aggressiv umworben hatte. Andere Banken traf es wegen Verstößen gegen das Geldwäschegesetz. Im Juni wurde die ebenfalls massiv in Schieflage gekommene Credit Trust geschlossen. Am Dienstag kamen neue Hiobsbotschaften von der kleinen, aber feinen Guta-Bank und der renommierten Alfa-Bank.

SPARBÜCHER AUFGELÖST

Experten machen für die Liquiditätsprobleme vor allem die Tatsache verantwortlich, dass Investoren in den letzten zwei Monaten ihre Konten um insgesamt fünf Milliarden Dollar geplündert haben. Von den rund 1670 in Russland tätigen Banken gelten inzwischen mindestens 200 als akut gefährdet.

Um das Bankensystem vor dem Kollaps zu bewahren, hat die Zentralbank bereits mehrfach die Sätze für die Pflichtreserven gesenkt. win

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