Geldgeschäfte : Siemens gründet eine Bank

Der Technologiekonzern Siemens beantragt eine Lizenz bei der Finanzaufsicht, um sein Geld sicherer und billiger anzulegen.

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Finanzvorstand Joe Kaeser will unabhängiger werden von den Banken.
Finanzvorstand Joe Kaeser will unabhängiger werden von den Banken.Foto: dpa

Berlin - Siemens will seine eigene Bank gründen. Damit will sich der Technologiekonzern zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten schaffen – und unabhängiger von anderen Kreditinstituten werden. Derzeit verfügt Siemens über neun Milliarden Euro Liquidität, für die sichere und lukrative Anlagemöglichkeiten gefunden werden müssen. Zugleich will Siemens aber auch den Absatz seiner Kraftwerke, Windkraftanlagen, Züge oder Medizintechnik fördern, indem das Unternehmen künftig seine Kunden bei der Finanzierung stärker unterstützt. Deswegen habe Siemens bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) „einen Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften“ gestellt, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Antrag werde derzeit von der Behörde geprüft. In Unternehmenskreisen heißt es, man hoffe, die Genehmigung noch im Laufe dieses Jahres zu bekommen.

Mit Siemens Financial Services besitzt der Konzern bereits einen Finanzdienstleister, der rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bilanzsumme lag zuletzt bei knapp zwölf Milliarden Euro. Damit ist Siemens im Vergleich zu seinem US- Konkurrenten General Electric (GE) bisher deutlich weniger im Finanzgeschäft engagiert. GE geriet jedoch in der Finanzkrise unter Druck und fährt seine Aktivitäten in dem Bereich seit einiger Zeit zurück und hat zum Beispiel die deutsche GE Money Bank inzwischen verkauft.

Auch wenn die genaue Struktur der Bank nach Angaben eines Siemens-Sprechers noch nicht feststeht, ins Privatkundengeschäft will Siemens im Gegensatz zu GE auf gar keinen Fall einsteigen. Finanzvorstand Joe Kaeser geht es viel mehr darum, bessere Konditionen für seine Anlagen zu bekommen und Transaktionskosten zu sparen, indem Teile der Bankgeschäfte ins eigene Haus geholt werden. So kann Siemens dann zum Beispiel wie andere Banken auch Tagesgeld direkt bei der Zentralbank anlegen, das höher verzinst wird, als bei den Geschäftsbanken. Außerdem will Kaeser das Anlagerisiko für das Unternehmen minimieren. Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman 2007 suchen Großunternehmen verstärkt direkten Zugang für ihr Geld auf den sicheren Konten der Bundesbank. Im Februar war der Versicherer Talanx allerdings mit dem Versuch gescheitert, sich auf dem Gerichtsweg ein Konto bei der Zentralbank zu erstreiten. Der Lehman-Zusammenbruch hatte Siemens einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gekostet.

Analyst Thomas Wybierek von der NordLB nennt die Entscheidung des Siemens-Finanzvorstands nachvollziehbar. „Wenn Herr Kaeser unzufrieden ist mit den Konditionen, die er bekommt, und sich von den Hausbanken übervorteilt fühlt, warum soll er dann nicht seine eigene Bank gründen?“

Es sei nichts Neues, dass Industrieunternehmen eine Banklizenz beantragten, sagte ein Sprecher der Bafin. Dabei gehe es vor allem um die Absatzfinanzierung. Bestes Beispiel sind die Autobauer Volkswagen und Daimler. Ob die Zahl der Anträge zuletzt gestiegen sei, dazu wollte der Sprecher sich nicht äußern. Im Prinzip kann jeder eine Banklizenz beantragen. Nach dem Kreditwesengesetz sind etwa ein Dutzend Geldgeschäfte erlaubnispflichtig. Um die Erlaubnis für zu bekommen, muss der Antragsteller bestimmte Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel was seine Finanzausstattung und seine Zuverlässigkeit betrifft.

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