Wirtschaft : Geldhaie im Schutz der Anonymität

Internet bietet Betrügern schnelle Wege zum Anleger / Warnung vor "alten Tricks im neuen Gewand"

DÜSSELDORF (stk).Das Internet ist in den vergangenen Jahren immer häufiger Spielwiese für skrupellose Anlagebetrüger geworden.Es eröffnet Geldhaien einen kostengünstigen und weltweiten sowie nur sehr eingeschränkt kontrollierbaren Zugang zu Millionen potentiellen Investoren.Sitz und Herkunft des Anbieters ebenso wie die hinter den Angeboten stehenden Personen sind nicht feststellbar, weil der Standort des Computers belanglos ist.Der auf Fragen des Anlegerschutzes spezialisierte Münchner Rechtsanwalt Michael-Christian Rössner warnte gegenüber dem "Handelsblatt" vor "Wunderprodukten" der geldhungrigen Kapitalanlagebetrüger im Internet.Bei den angepriesenen Renditehits handele es sich um "alte Tricks in neuem Gewand", so Rössner.Zum Beispiel fänden sich im sogenannten usenet, dem Sammelbecken für Diskussionsgruppen, Kettenbriefe, mit denen Schneeballsysteme und Pyramidenspiele initiiert würden.Als risikofreie Anlagen mit jährlichen Renditen von 200 bis 600 Prozent böten Betrüger Beteiligungen an Goldminen und Krabbenfarmen in Mittelamerika an.Auch der tatsächlich nicht existente Handel mit Bankgarantien spiele eine bedeutende Rolle."Die Grenze zwischen seriösen und unseriösen Angeboten ist jedoch im Netz oftmals schwer zu ziehen, weil es eine Vielzahl von Finanzdienstleistern unterschiedlichster Qualität mit ihren Homepages gibt." Wer das Netz benutze, der hinterlasse in aller Regel Spuren, die dem Geldhai den Weg wiesen.Ohne großen Aufwand sei es dem Anlagebetrüger möglich, größere Datenbanken mit E-Mail-Adressen zu erstellen, um dubiose Angebote schnell zu verbreiten.Derartige Massensendungen führten, so Rössner, früher verschiedentlich zum Ausfall von Teilen des Internet.Ein besonderes Problem stellten Aktientips in den Internet-Diskussionsgruppen dar.Niemand wisse, ob nicht nur eigene Interessen den Tipgeber zu den Empfehlungen veranlaßten.Mit außerordentlicher Vorsicht seien darüber hinaus Privatplazierungen von nicht börsennotierten Aktien über das Internet zu betrachten.Auch Nutzern von Internet-Banking rät Rössner zur Vorsicht.So dürfe das weltweite Datennetz ein geeignetes Medium zur Verbreitung von Virenprogrammen sein, denen die Möglichkeit nachgesagt wird, die allgemein gebräuchliche Finanzsoftware unbemerkt zu Kontoverfügungen zu veranlassen. Neben den bekannten Risiken am Grauen Kapitalmarkt existieren im Internet weitere Gefahren: "Die Herkunft der Angebote ist noch weniger nachvollziehbar als auf üblichem Wege, die Manipulationsmöglichkeiten sind erheblich, gravierend können auch die Beweisprobleme sein", sagt Rössner.Daher müßten Angebote nach üblichen Kriterien, wie Renditehöhe und Seriosität, abgeklopft und zusätzlich unbedingt Fachleute befragt werden.Ein effektiver Schutz stoße an enge Grenzen, weil das Internet grenzüberschreitende Angebote erleichtere und so die "Internationalisierung" des Grauen Kapitalmarktes fördere.

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