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Geldhaus Gottes : Ein Franzose soll die Vatikanbank führen

Die Vatikanbank ist mitten im Umbruch: Nach eineinhalb Jahren Reformprozess verlässt der deutsche Präsident Ernst von Freyberg das Institut. Auf seinen Nachfolger warten große Aufgaben.

Unter päpstlichem Wappen. Der Franzose de Franssu soll den Reformprozess bei der Vatikanbank vorantreiben.
Unter päpstlichem Wappen. Der Franzose de Franssu soll den Reformprozess bei der Vatikanbank vorantreiben.Foto: dpa

Der französische Geschäftsmann Jean-Baptiste de Franssu löst den Deutschen Ernst von Freyberg als Präsident der Vatikanbank ab. Der 51-Jährige übernimmt den Posten mit sofortiger Wirkung, wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte. Neues Mitglied des sechsköpfigen Verwaltungsrats des Geldhauses wird der deutsche Banker Clemens Börsig.

Nach nur 16 Monaten ist damit Freybergs Mission beendet. Angetreten als Reformer, hat er die skandalgeplagte Vatikanbank in seinen knapp eineinhalb Jahren als Präsident von Grund auf umgekrempelt: Mehr Transparenz, keine Toleranz bei Geldwäsche und Korruption sowie der Abschied von Top-Managern. „Es ist angemessen zu sagen, dass dieser in den letzten Monaten oft sehr schmerzhafte, aber notwendige Prozess die Tür zu einer neuen, unbelasteten Zukunft des IOR geöffnet hat“, bilanziert der 55-Jährige. Von Freyberg verlässt das Geldhaus, das vor weiteren radikalen Veränderungen steht.

Das Istituto per le Opere di Religione (Institut für die religiösen Werke/IOR) soll seinen Platz in den neuen Finanzstrukturen des Vatikans bekommen, heißt es aus dem Kirchenstaat. Viele Beobachter vermuten, dass das Geldhaus damit auch deutlich an Kompetenzen verliert. Die neue Führung sowie Details zur Reform der Finanz- und Wirtschaftstruktur des Vatikans sollten am Mittwoch vorgestellt werden.

Warum Freyberg geht, ist offen

Die Gründe für von Freybergs Abschied nach nur 16 Monaten blieben zunächst unklar. Die Spekulationen reichten von persönlichen Gründen bis hin zu Meinungsverschiedenheiten über die zukünftige Ausrichtung des IOR. De Franssu soll die „zweite Phase“ des Reformprozesses - so der Vatikan - vorantreiben. Denn trotz aller Fortschritte unter von Freyberg ist die Vatikanbank noch nicht am Ziel angekommen, das ist auch den Verantwortlichen klar.
Der deutsche Finanzexperte war im März 2013 noch vom damaligen Papst Benedikt XVI. eingesetzt worden, um bei dem Geldhaus aufzuräumen. Der Jurist hat in seiner Amtszeit vieles auf den Weg gebracht. Nach jahrelanger Abschottung und Geheimniskrämerei warb er demonstrativ für mehr Offenheit. Im Oktober 2013 veröffentlichte das IOR erstmals seine Bilanz, von Freyberg holte externe Experten ins Boot und etablierte eine neue Kommunikationsstrategie.

Die Bank ist dem Vatikan verpflichtet

Die Vatikanbank ist ein Geldhaus mit langer Tradition, strikt dem Dienst für den Vatikan und seinen Kunden in der katholischen Kirche verpflichtet. Dennoch geriet das Institut immer wieder in die Negativschlagzeilen, wurde mit Geldwäsche und Korruption in Verbindung gebracht. Auch nach der Amtsübernahme durch von Freyberg und der von Papst Franziskus gestarteten Reformoffensive erschütterten immer wieder Skandale die Bank.

„Vieles von dem, was dem IOR als schlechter Ruf anhaftet, haftet ihm zu Unrecht an und hätte dadurch vermieden werden können, wenn man von vornherein die Fakten deutlich erläutert hätte. Das Wichtigste ist die Transparenz“, sagte von Freyberg Radio Vatikan. Lange war die Zukunft des in den Negativschlagzeilen steckenden Instituts sogar komplett unsicher - erst im April entschied Papst Franziskus, grundsätzlich an der Vatikanbank festzuhalten. dpa


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