Wirtschaft : Geldinstitute: Deutsche Banken schaffen sich neue Strukuren

Hermannus Pfeiffer

Wo früher alte Kollegen vertraulich zusammensaßen, weht heute ein rauer Wind. Die Konzentration hat die Vorstandsetagen der deutschen Banken erreicht: Zukünftig wollen Deutsche Bank und Commerzbank ihre Geschäfte in nur noch zwei Bereichen zusammenfassen. Ähnliche Überlegungen verlauten aus anderen Bankinstituten.

Am 1. Februar sollte bei der Deutschen Bank der Startschuss fallen - und voraussichtlich wird der tötliche Unfall des Vorstandsmitglieds Edson Mitchell zumindest an der Terminplanung wenig ändern. Zu diesem Termin sollen die bisher fünf Geschäftsbereiche in zwei Gruppen zusammengefasst werden. Die Gruppe "Unternehmen & Institutionelle Kunden" kümmert sich in Zukunft um Firmenkunden und Investmentbanking, um Immobilien und Finanzinstitute. Die Gruppe "Asset Management & Privatkunden" erledigt die Geschäfte mit normalen und vermögenden Privatkunden. "Die künftige Struktur ist noch stärker auf die Kundengruppen ausgerichtet", heißt es aus dem Deutsche-Bank-Vorstand. Die Konzentration der Konzernstruktur wird einhergehen mit einer teilweisen Entmachtung der alten Mitglieder. Bislang galt ein strenges Kollegialitätsprinzip, wonach alle Beschlüsse im neunköpfigen Vorstands-Gremium einstimmig gefasst werden. Zukünftig wird ein Dreigestirn die Deutsche Bank regieren, mit jeweils klaren individuellen Verantwortungen. Jeder der zwei Geschäftsbereiche soll von einem Supervorstand angeführt werden, darüber thront der Konzernvorsitzende Rolf E. Breuer, der im Mai 2002 vom Schweizer Josef Ackermann abgelöst wird.

Aber es geht nicht allein um eine klare Linie im Vorstand und passenderen Service für die Kundschaft. Auf dem Weg zum "besten Finanzdienstleister der Welt" - so das erklärte Firmenziel - sollen die einzelnen Geschäftsbereiche wieder stärker miteinander verbunden werden. "Die neue Organisationsstruktur wird die Bindung zwischen den verschiedenen Bereichen stärken", erklärt Vorstandssprecher Breuer. Nicht allein bei der Deutschen Bank drohen nämlich einzelne Konzernteile aus dem Ruder zu laufen. Zuvor hatten schon die Schweizer UBS und die Commerzbank angekündigt, ihre Konzernstrukturen zu verändern.

Aber im Unterschied zur Deutschen Bank regiert bei der Commerzbank die Einsicht in die begrenzten eigenen Möglichkeiten. Die kleinste der hiesigen Großbanken ist für einen Global Player zu klein. So soll in Zukunft das Auslandsnetz der Commerzbank stärker auf Europa konzentriert werden. Weiterhin baut die Commerzbank dabei auf kleine, wechselseitige Beteiligungen mit dem italienischen Versicherungskonzern Generali oder mit der spanischen Großbank BSCH. Der künftige Vorstandschef Klaus-Peter Müller stellt sogar Standorte in Amerika und Asien in Frage.

Ausgeschlossen aus der Kernkompetenz wird das Immobilien- und Leasinggeschäft, Tochtergesellschaften sollen verkauft werden. Die reduzierte Strategie verlangt nach einem neuen Konzept für die Konzernstruktur und die Arbeit des Vorstandes. Zukünftig soll unter dem Dach einer "virtuellen Holding" - faktisch ist dies der Vorstand - nur noch zwei statt bisher drei Unternehmensbereiche geben. Wie bei der Deutschen Bank umfasst der erste Unternehmensbereich normale Privatkunden und private Vermögensverwaltung. Die Commerzbank besitzt etwa 800 000 Kunden mit einem freien Vermögen von jeweils mindestens 200 000 Mark, das ist mehr als jede andere hiesige Bank. Der zweite neue Unternehmensbereich kümmert sich um das Geschäft mit Firmen sowie um das Investmentbanking.

Mit dieser Konzentration beginnt die Umkehr eines Modetrends. In den neunziger Jahren wurden Banken und Industrie in viele "Divisionen" und "Profitcenter" zerlegt. Diese arbeiten zwar weiterhin eigenständig, aber nun soll der Gesamtkonzern wieder zusammenrücken. "Aus den vielen Schnellbooten, von denen jedes nach Lust und Laune über den Ozean rauscht, soll wieder ein gemeinsamer Flottenverband werden", fasst ein Branchenbeobachter das Geschehen zusammen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben