Wirtschaft : Geldmaschine Google

US-Konzern überrascht die Börse mit Umsatz- und Gewinnsprung Die guten Zahlen verhalfen der Aktie zu einem Kurssprung

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Berlin - Was Google anfasst, wird zu Geld: Der Suchmaschinenkonzern setzte in den Monaten April bis Juni gut neun Milliarden Dollar (6,4 Milliarden Euro) um. Rechnet man den Umsatz heraus, den Google sich mit Partnern teilt, sind es immer noch 6,92 Milliarden Dollar – und damit 36 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Gewinn legte ebenfalls um 36 Prozent auf 2,51 Milliarden Dollar zu. Die Börse jubelte: Die Aktie des Suchmaschinenkonzerns sprang in New York zeitweise um mehr als 13 Prozent auf 600 Dollar in die Höhe. „Wir hatten ein großartiges Quartal“, sagte Firmengründer und Konzernchef Larry Page.

Noch vor einem Vierteljahr hatte das Bild anders ausgesehen. Da blieb das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück. Google gab nach Meinung vieler Analysten viel zu viel Geld für seine Wachstumsstrategie aus. Das Unternehmen verdient sein Geld mit Werbung und sucht außerhalb des noch dominanten Suchmaschinenmarktes nach immer neuen lukrativen Betätigungsfeldern. Auch im zweiten Quartal übernahm der Konzern sechs Firmen. Die Expansion kostet viel Geld.

Das scheint gut angelegt: „Die Zahlen zeigen, dass die Ausgaben sich in nachhaltige Gewinne ummünzen lassen“, sagte Analyst Markus Friebel von Independent Research. Und trotz der Investitionen geht Google das Geld nicht aus: Ende Juni hatte das Unternehmen 39,1 Milliarden Dollar in der Kasse.

„Wir stehen mit vielem immer noch am Anfang“, erklärte Larry Page und versicherte: „Unsere neu hinzugekommenen Produkte können für Google auf lange Sicht riesige neue Geschäfte hervorbringen, genau wie das Suchmaschinengeschäft. Und wir haben enorme Erfahrung darin, Produkte über eine gewisse Zeit in Geld umzuwandeln.“ Page hatte Anfang April den Vorstandsvorsitz von Eric Schmidt übernommen. Seither habe Google seine Geschwindigkeit wesentlich erhöht und mehr Projekte umgesetzt, sagte Page. Das seien seine zentralen Ziele seit der Übernahme des Postens gewesen.

Gerade erst hat das Unternehmen unter dem Namen Google+ ein eigenes soziales Netzwerk vorgestellt. Es befindet sich noch in der Testphase und der Zugang ist beschränkt. Dennoch hätten sich bereits mehr als zehn Millionen Mitglieder angemeldet, berichtete Page. „Ich bin total überwältigt davon, wie gut Google+ ankommt.“ Mit dem sozialen Netzwerk fordert Google den Konkurrenten Facebook heraus, der allerdings mit inzwischen 750 Millionen Mitgliedern noch einen weiten Vorsprung hat. Aber weil viele Internetnutzer immer mehr Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, wollte sich Google hier nicht ausbooten lassen.

Für die vielen neuen Produkte braucht Google auch neue Mitarbeiter – und zahlt ihnen üppige Gehälter. Die Zahl der Beschäftigten wuchs zur Jahresmitte auf nahezu 28 800 und damit um 2500 seit Ende März.

Google ist Marktführer unter den Suchmaschinen weltweit; die Marktmacht hat mittlerweile die Wettbewerbshüter in den USA und Europa auf den Plan gerufen. In den USA laufen mehr als 60 Prozent der Internet-Suchanfragen über Google, in einzelnen Teilen Europas sind es sogar 90 Prozent. Corinna Visser

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