Geldnot : Araber steigen offenbar bei Air Berlin ein

Air Berlin braucht dringend frisches Geld. Das soll ein Konkurrent aus den Arabischen Emiraten bringen. Anleger und Luftfahrtexperten betrachten die jüngsten Pläne von Unternehmenschef Mehdorn skeptisch.

Jens Koenen
Eine Maschine der Etihad Airlines - bereits Ende 2008 gab es Gerüchte um einen Einstieg bei Air Berlin.
Eine Maschine der Etihad Airlines - bereits Ende 2008 gab es Gerüchte um einen Einstieg bei Air Berlin.Foto: dpa

Hartmut Mehdorn, seit September amtierender Chef von Air Berlin, drückt auf die Tube. Wie das „Handelsblatt“ aus Unternehmenskreisen erfuhr, steht Etihad, eine der drei rasant wachsenden Airlines aus den Emiraten, kurz vor dem Einstieg bei der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands.

Heute will der Verwaltungsrat (Board) der nach britischem Recht firmierenden Air Berlin plc über das Thema beraten. Es könne eine grundsätzliche Entscheidung über einen Einstieg geben, sie könne sich aber auch noch über den Jahreswechsel ziehen, heißt es im Umfeld des Kontrollgremiums.

Danach ist die Ausgabe neuer Aktien geplant, um den Investor ins Boot zu holen. Ein solches Szenario sorgte an der Börse für Unruhe. Die Aktien von Air Berlin gaben am Dienstag um 6,3 Prozent nach und kosteten nur noch 2,33 Euro.

Die Sorge der Anleger: Um wirklich Liquidität in größerem Umfang zu bekommen, müsste eine Kapitalerhöhung so groß ausfallen, dass der Anteil der anderen Investoren, allen voran die türkische Esas Holding (16,48 Prozent), stark verwässert würde. Gleichzeitig darf die Grenze von 49,9 Prozent nicht überschritten werden, sonst würde Air Berlin die Verkehrsrechte verlieren.

Seit Mehdorn, der frühere Bahn-Chef, die Führung von Air-Berlin aus den Händen des Gründers Joachim Hunold übernommen hat, geht es vor allem um zwei Dinge: die kurzfristige Sicherung der Liquidität, um den Winter zu überstehen, sowie die langfristige Sanierung der Airline. Denn immer noch braucht Air Berlin mehr Geld, um den Betrieb zu sichern, als das Unternehmen mit dem operativen Geschäft einnimmt. Die Eigenkapitalquote betrug Ende des dritten Quartals magere 14 Prozent.

Zwar steuert Mehdorn nach Kräften gegen, spart, kappt die Kapazitäten, versucht, die Ticketpreise anzuheben. Doch er braucht Zeit. Gegen ihn läuft die neue Schwächephase in der weltweiten Luftfahrt. Der Einstieg eines solventen Investors könnte zur Rettung von Air Berlin erheblich beitragen.

Wie zu hören ist, setzt Air Berlin nicht nur auf das Geld, sondern auch auf die hohe Leistungsfähigkeit von Etihad. Airlines aus der Golfregion sind seit Jahren sehr erfolgreich, selbst in Krisenzeiten. Der Einstieg eines solchen Investors würde der Lufthansa, der Nummer eins in Deutschland und Europa, wehtun, heißt es.

Experten vermissen aber die strategische Komponente hinter dem Deal. Denn Air Berlin plant gerade, der Partnerschaft One World um British Airways beizutreten. Ein Investor aus diesem Kreis erscheint für die Sicherung der Zukunft geeigneter. Etihad gehört aber keiner Airline-Partnerschaft an.

Etihad wies am Dienstagabend einen ähnlichen Bericht über den Einstieg bei Air Berlin aus dem „Manager Magazin“ als fehlerhaft zurück. (HB)

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