Wirtschaft : Geldpolitik: Die größten Risiken für die Weltwirtschaft und die Börsen

Bernd Frank

Die Wirkung der Geldpolitik wird in der gegenwärtigen Lage eindeutig überschätzt - nach dem Motto "Alan Greenspan wird es schon richten". Der US-Notenbankchef hat in der Vergangenheit zwar einiges bewirken können, vor allem 1997 und 1998 in der Asien- und der Rubelkrise, aber das war damals während der Hochkonjunktur in den USA. Die US-Wirtschaft befindet sich aber mittlerweile in einer Situation der Überinvestition. In den vergangenen Jahren wurde enorm in Produktionskapazitäten, in Personal und neue Technik investiert. Der Bedarf ist mehr als gedeckt. Billigeres Geld wird dies nicht ändern, zumal die Notenbank ja nur die kurzfristigen Zinsen senkt, während für Investitionsentscheidungen die langfristigen Zinsen entscheidend sind, die sich wenig verändert haben. Im Grunde befinden sich die USA in einer Liquiditätsfalle - wie dies in Japan bereits seit Jahren der Fall ist. Das heißt, mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen, bringt nicht viel.

Alle drei möglichen Konjunkturlokomotiven - USA, Japan und Europa - sind gleichzeitig schwach.

Wir haben es in verschiedenen Teilen der Weltwirtschaft mit einer hohen Verschuldung zu tun. Der japanische Staat ist sehr hoch verschuldet (durch die vielen teuren Konjunkturprogramme der 90er Jahre). Dazu haben Banken und Versicherungen dort immer noch viele faule Kredite in ihren Büchern. Argentinien hat große Schuldenprobleme, die dortige Finanz- und Wirtschaftskrise könnte Brasilien mit nach unten ziehen. In Europa sind einige Telekommunikationsgesellschaften hoch verschuldet, in den USA die Verbraucher.

Es ist zu befürchten, dass in den USA die Verbraucher wegen des gesunkenen Aktienvermögens und bei steigender Arbeitslosigkeit ihren Konsum drosseln und damit die letzte Stütze der Konjunktur wegbricht.

Das riesige Leitsungsbilanzdefizit der USA wurde bisher vom Ausland finanziert. Aber das Vertrauen in die Stärke der US-Wirtschaft ist geschwunden.

In der Rubelkrise war im Herbst 1998 ein großer Hedgefonds zusammengebrochen, die US-Notenbank konnte damals Schlimmeres, etwa einen Kollaps im Weltfinanzsystem verhindern. Aktuell ist von einer ähnlichen Schieflage nichts bekannt. Angesichts der immer größeren Börsenverluste und schrumpfender Kreditsicherheit könnte aber ein ähnlicher Fall eintreten, ebenso wie der Zusammenbruch eines japanischen Finanzinstituts.

An der Börse erscheinen vor diesem Hintergrund weitere Kursverluste kurzfristig deutlich wahrscheinlicher als eine Konsolidierung oder gar ein Anstieg. Zumal manche Unternehmen immer noch recht hoch bewertet sind (gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis) und viele Gewinnprognosen für das Jahr 2002 wohl zu optimistisch sind.

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