GELDPOLITIK : „Die Zentralbanken riskieren neue Blasen und Krisen“

Foto: promo
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Herr Klude, ist die ultralockere Geldpolitik der Fed eine Gefahr für die Weltwirtschaft?

Die Fed verspricht sich von ihren Anleihekäufen Hilfe für den Aufschwung in den USA. Das Schwierige wird sein, rechtzeitig aus dieser Politik auszusteigen. Wenn es schlecht läuft, gibt es Turbulenzen auf den Kapitalmärkten. Allein durch die Ankündigung, die laxe Geldpolitik zu beenden, sind in den USA, in Europa und vor allem in den Schwellenländern die Zinsen deutlich gestiegen.

Was passiert, wenn es nicht klappt mit dem eleganten Ausstieg?

Das könnte die Realwirtschaft bremsen. Schon jetzt ist der US-Immobilienmarkt ja deutlich in Mitleidenschaft gezogen, die Hypothekenzinsen sind stark gestiegen. Das hat die positive Entwicklung der vergangenen Monate ins Stocken gebracht.

Was bedeutet das für Europa?

In den USA kommt die expansive Geldpolitik in der Realwirtschaft an. Die Banken vergeben wieder mehr Kredite, etwa für Autokäufe oder an Studenten. In Europa klappt das nicht, die Banken sind noch immer sehr restriktiv. Das hat auch damit zu tun, dass es hier noch viel mehr faule Kredite in den Bankbilanzen gibt als in Amerika. Aber auch die Nachfrage nach Krediten ist wegen der schwachen Wirtschaftslage gering.

Welches Risiko gehen die Zentralbanken ein?

Irgendwann könnten die Inflationsraten steigen – das ist wegen der schwachen Konjunktur aber noch kein Thema. Aber wenn zu viel Geld auf zu wenige Güter trifft, steigen die Preise. Ein anderes Risiko ist es, dass Banken und Fonds das viele Geld in riskante Anlagen stecken und neue Blasen entstehen. Steigende Häuserpreise wie 2007 in den USA könnte es auch bei uns geben. Wenn die Blasen platzen, drohen Krisen, die nur die Notenbanken auffangen könnten.

Sehen Sie bereits Blasen?

Noch nicht – die Häuserpreise in den USA erholen sich noch immer vom Einbruch in der Krise, hierzulande ist der Anstieg noch moderat. Auch auf dem Aktienmarkt gibt es noch keine Übertreibungen, weil die Firmengewinne im Gleichschritt mit den Kursen gestiegen sind. Aufpassen muss man bei Staatsanleihen aus Schwellenländern, hier sind die Kurse wegen der Suche nach Rendite um jeden Preis zum Teil zu stark gestiegen.

Carsten Klude

ist Chefvolkswirt

der Privatbank

M.M. Warburg, die 1798 in Hamburg gegründet wurde.

Mit ihm sprach

Carsten Brönstrup.

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