Wirtschaft : Geldpolitik: EZB lässt sich von Fed nicht beeindrucken

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Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der US-Notenbank nicht gefolgt. Die Leitzinsen in Euroland ließ das Gremium nach seiner Sitzung am Donnerstag unverändert. "Wir treffen eigenständige geldpolitische Entscheidungen", sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg mit Blick auf das Votum der Kollegen in den USA. Er deutete nach dem Treffen aber an, dass sein Haus in der Geldpolitik jetzt auf einen neutralen Kurs eingeschwenkt ist. "Die Risiken für die Preisstabilität erscheinen mittelfristig ausgewogener", sagte Duisenberg mit Blick auf den gesunkenen Ölpreis und den Anstieg des Euro-Wechselkurses. Er stellte aber auch keine Zinssenkung in Aussicht. Es gelte jetzt erst einmal abzuwarten. Damit bleibt der wichtigste europäische Leitzins weiter bei 4,75 Prozent. Die US-Notenbank Fed hatte den Leitzins am Mittwochabend zum zweiten Mal in diesem Jahr von 6,0 auf 5,5 Prozent gesenkt.

Der Euro hat am Donnerstag kräftig von der Senkung der US-Leitzinsen profitiert, während die Börsen in Europa und Asien zumeist mit Kursabschlägen reagierten. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,9406 (Mittwoch: 0,9293) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,0793 (2,1046) Mark. Der Deutsche Aktienindex Dax gab zum Nachmittag 0,90 Prozent auf 6733 Punkte ab. Der Wachstumswerte-Index Nemax50 verlor 3,25 Prozent auf 2713 Zähler. Die New Yorker Börse eröffnete am Nachmittag bei ruhigem Handel behauptet. Der Dow-Jones-Index legte zum Auftakt leicht auf 10922,80 Punkte zu.

EZB-Präsident Duisenberg begründete die geringeren Sorgenfalten der europäischen Notenbanker mit einem leicht rückläufigerem Geldmengen-Wachstum, aber vor allem mit der Entwicklung des Öl-Preises und des Euros. Gleichzeitig verweist er auf die dämpfenden Effekte der schwächeren US-Konjunktur für die Weltwirtschaft.

Allerdings sieht der EZB-Präsident immer noch deutliche Risiken für die Preisstabilität. Nach wie vor sei das Wachstum der Kreditausleihungen an den privaten Sektor mit einer Rate von monatlich zehn Prozent sehr hoch. Immer noch liege die Inflationsrate über der von der EZB als Obergrenze angesehenen Marke von zwei Prozent. Auch Engpässe am Arbeitsmarkt könnten zu Risiken führen. Duisenberg plädierte im Übrigen für weiter moderate Lohnabschlüsse als Beitrag zur Wahrung der Preisstabilität. "Die monetären Bedingungen werden insgesamt erst langsam besser", sagte der EZB-Präsident.

Die Konjunktur in Euroland wird nach Ansicht von Duisenberg durch die Abschwächung des Wachstums in den USA nur bedingt in Mitleidenschaft gezogen. "Das Wachstum im Euroraum wird 2001 und 2002 robust bleiben, in der Nähe der Marke von drei Prozent." Die Strukturreformen müssten aber weiter geführt werden. Dies gelte für den Arbeitsmarkt, für die Liberalisierung der Gütermärkte und die weitere Integration der Finanzmärkte.

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