Wirtschaft : Geldquellen für neue Energie

Bio- und Sonnenkraftwerke sind inzwischen interessante Investitionen. Projektmacher treffen potente Finanziers

Dagmar Dehmer

Bonn - Deutschland ist beliebt bei Investoren. Jedenfalls wenn sie Geld in erneuerbare Energien stecken wollen. Besonders Solarstromprojekte zogen in den vergangenen Jahren Finanzmittel an. Denn Investoren suchen Sicherheit. Und die gibt ihnen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Dagegen kamen Projekte in Entwicklungsländern bei potenziellen Geldgebern bisher kaum zum Zug. Versuche werden aber weiterhin gestartet. Am Dienstag und Mittwoch schauten sich während der Weltkonferenz für erneuerbare Energien in Bonn 240 Finanziers nach lohnenden Objekten um.

Zwölf Projektmacher, die besonders viel Glück hatten, durften ihre Ideen am Dienstagabend im Bonner Post-Tower vorstellen – beim Base-Investment-Forum. Base, die Basel Agency for Sustainable Energy, ist eine Partnerorganisation des UN-Umweltprogramms Unep. Sie suchte die zwölf aus 50 Bewerbern aus und brachte so in Bonn Investoren und junge Firmen zusammen.

Ein Treffen heißt aber noch nicht, dass Geld fließt. Aus früheren Investorenforen weiß Virginia Sonntag-O’Brian, Geschäftsführerin von Base, dass aus diesen Kontakten nicht immer ein Geschäft wird. „Je unsicherer die Rahmenbedingungen in einem Land – politische Verwerfungen, Korruption, eine unsichere Rechtslage – desto schwieriger ist es, private Geldgeber zu finden“, sagt sie.

Die Palette der diesmal vorgestellten Projekte reichte von einem Erdwärmekraftwerk in Kanada über ein Gezeitenkraftwerk in Australien, einer Biogasanlage mit drei Megawatt Leistung in Deutschland bis hin zu einer Anlage, die Methangas aus der größten Müllkippe Quitos, der Hauptstadt Ecuadors, auffängt und daraus Strom produziert. Die Investoren waren nicht nur Anbieter ökologischer Geldanlagen oder die Grameen-Bank aus Bangladesch, die Kleinkredite vermittelt, sondern auch große Konzerne wie Shell, die Münchener Rück oder die Hypo-Vereinsbank.

Sonntag-O’Brian von Base sieht drei wichtige Voraussetzungen für einen funktionierenden Finanzmarkt für erneuerbare Energien: „Deutliche politische Signale für eine Förderung, langfristige und verbindliche Rahmenbedingungen für Investitionen.“ Eric Usher von Unep erklärt, warum das Interesse trotzdem groß ist: Die innovativen Nischenanbieter wollen ihren Marktvorsprung nicht verlieren. Die großen Banken und Konzerne sehen das Potenzial der erneuerbaren Energien und wollen frühzeitig Erfahrungen sammeln, um später groß einsteigen zu können. Und Fondsmanager haben es immer öfter mit Anlegern zu tun, die Wert auf nachhaltige Geldanlagen legen – nicht nur was den Gewinn betrifft. Alle wissen zwar, dass ein schneller Euro mit Windrädern oder Solaranlagen nicht zu machen ist. Aber für langfristige Geldanlagen bieten sich erneuerbare Energien an, weil sie „zwar keine großartigen, aber gute Renditen bringen“, wie Karen McClellan findet. Sie hat lange bei einer privaten Bank gearbeitet und wechselte vor kurzem zur Europäischen Entwicklungsbank. Denn auch die EU will mehr für erneuerbare Energien tun. Schließlich tut sich Europa schwer damit, sein in Kyoto zugesagtes Klimaschutzziel einzuhalten, die Kohlendioxidemissionen zu senken.

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