Wirtschaft : Geldsegen für Aktionäre

Mehrheit der Dax-Konzerne erhöht die Dividende

Düsseldorf - Deutschlands 30 größte börsennotierte Unternehmen werden im nächsten Jahr so viel an ihre Aktionäre ausschütten wie nie zuvor. Nach Berechnungen des „Handelsblatts“ und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) dürfte die Gesamtsumme der Dividenden gegenüber diesem Jahr um vier Milliarden Euro auf 27,8 Milliarden Euro ansteigen. Trotz langsamerer Gewinnzuwächse werden wohl mehr als drei Viertel der Konzerne ihre Dividende anheben.

Zwar schlagen die Vorstände der Hauptversammlung erst im Winter oder Frühjahr vor, wie viel sie für das abgelaufene Geschäftsjahr ausschütten wollen. Auswertungen der Quartalsberichte, Aussagen des Managements und Analystenschätzungen ermöglichen aber schon jetzt zuverlässige Prognosen.

Danach verdoppeln die Firmen im Deutschen Aktienindex (Dax) in nur drei Jahren ihre Ausschüttungen. Die Nettogewinne stiegen im selben Zeitraum jedoch nur um 80 Prozent. Dadurch steigt die Ausschüttungsquote im nächsten Jahr erstmals seit 2002 wieder bis an die 40-Prozent-Marke. Damals waren die Gewinne um die Hälfte eingebrochen, so dass viele Unternehmen einmalig an ihre Substanz gingen, um ihre Aktionäre zufriedenzustellen. Davon kann jetzt keine Rede sein. Die Firmen fahren trotz der Immobilienkrise zum vierten Mal in Folge Rekordgewinne ein.

Typisches Beispiel im Dax ist BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern erzielt dank der florierenden Weltwirtschaft seit Jahren Rekordgewinne und erhöht seine Dividenden trotz der knapp vier Milliarden Euro teuren Übernahme des US-Katalysatorenspezialisten Engelhard immer weiter. Steigt die Dividende wie erwartet auf 3,25 Euro, liegt die Ausschüttungsquote dann auf internationalem Standard von 44 Prozent.

Großer Ausreißer ist die Deutsche Telekom. Sie dürfte mit der erwarteten Dividende von 72 Cents je Aktie bis ans Limit gehen. Insgesamt schüttet der Ex-Monopolist wie im Vorjahr voraussichtlich 3,1 Milliarden Euro und damit mehr als alle anderen aus. Angesichts des schlechten Aktienkursverlaufs will die Telekom ihren Anlegern zumindest eine attraktive Dividende bieten.

„Im Vergleich zu Investitionen bevorzugen Anleger Dividenden, weil sie sich davon das Signal erhoffen, diese dauerhaft zu bekommen“, sagt Bernd Meyer von der Deutschen Bank. Die Reaktion der Anleger ist verständlich, weil Dividenden maßgeblich für steigende Börsenkurse verantwortlich sind. Seit Einführung des Dax 1988 beruhen 40 Prozent des Kursanstiegs auf den Ausschüttungen. Studien belegen, dass sich weltweit Aktien von Unternehmen mit hohen Ausschüttungen besser als der Gesamtmarkt entwickeln. som(HB)

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